Telekom ist Schweizern elf Euro wert

3. August 2003, 20:41
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ÖIAG: Tür für weitere Gespräche ist offen - Börse sieht Deal als gescheitert

Stets hüllte sich die Swisscom in Schweigen, wenn sie auf die Pläne zur Übernahme der Telekom Austria (TA) angesprochen wurde. Jetzt hat sich Konzernchef Jens Alder erstmals öffentlich geäußert. Die TA sei ein interessantes Kaufobjekt, bestätigte er der Schweizer Zeitung Finanz und Wirtschaft. Man sei sich nur nicht über den Preis einig geworden.

Fraglich ist, ob dies Alders letztes Wort war oder ob er nur den Ball nach Österreich zurückgespielt hat. Die TA- Hauptaktionärin, die Verstaatlichtenholding ÖIAG, gibt die Hoffnung nicht auf. Die Türe für weitere Gespräche mit der Swisscom sei offen, sagte ÖIAG-Sprecherin Viktoria Kickinger zur APA: "Wir freuen uns auf das, was noch kommt." Es bestehe kein Zeitdruck: "Gut Ding braucht Weile", so Kickinger.

Akquisitionskriterien

Die TA entspreche den Akquisitionskriterien der Swisscom, sagte Alder. Der ehemalige Staatsmonopolist hat sich im Gegensatz zu europäischen Konkurrenten aus Abenteuern herausgehalten und auch für die Schweizer UMTS-Lizenz mit 50 Millionen Franken vergleichsweise wenig bezahlen müssen. Er sitzt deshalb auf einer milliardenschweren Kriegskasse.

Mit Blick auf die Südosteuropa-Aktivitäten der TA bezeichnete Alder die Swisscom als passende Mehrheitsaktionärin. "Die Aussicht, mit vereinten Kräften Richtung Osten zu expandieren, ist attraktiv." Da aber nur wenig Synergien zu erwarten seien, lägen die Preisvorstellungen der Swisscom deutlich unter den von ÖIAG mehrmals genannten 13 Euro pro Aktie.

Deshalb habe man zwar Sondierungsgespräche mit der ÖIAG geführt, sei aber nicht in konkrete Verhandlungen eingestiegen und habe auch kein offizielles Angebot gemacht. Unter bestimmten Voraussetzungen hätte sich die Swisscom einen Preis bis zu elf Euro vorstellen können, "immer noch eine sehr schöne Prämie im Vergleich mit der durchschnittlichen Marktbewertung der Aktie über die letzten sechs Monate". Die Schweizer Börse indes wertete das Interview als endgültige Absage an eine Übernahme. Die Swisscom-Kurs stieg um knapp ein Prozent, TA fielen. (Thomas Kirchner aus Zürich, Der Standard, Printausgabe, 31.07.2003)

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