Annan will Blauhelme aus Sierra Leone abziehen

1. August 2003, 11:49
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UNO-Generalsekretär fordert Entscheidung des Sicherheitsrats - Besorgt über eskalierende Gewalt

New York/Monrovia/Freetown - Wegen des andauernden Blutvergießens in Liberia will UNO-Generalsekretär Kofi Annan jetzt bis zu zwei Bataillone UNO-Blauhelm-Soldaten aus dem benachbarten Sierra Leone abziehen und nach Monrovia entsenden. Er bat deshalb den Weltsicherheitsrat in New York, ihm umgehend ein "robustes" Mandat für das weitere Vorgehen in Liberia zu erteilen. Bei einer Pressekonferenz im Hauptquartier der Vereinten Nationen wollte sich Annan am Mittwochabend auch zu seinen Plänen für das vom Bürgerkrieg verwüstete westafrikanische Land äußern. Außerdem war ein Gespräch mit dem Erzbischof von Monrovia, Michael Francis Kpakala, am späten Abend vorgesehen.

Pufferzone zwischen Rebellen-Fraktionen und Regierungstruppen schaffen

Dem westafrikanischen Vorauskommando der ECOWAS (Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft) würde die Aufgabe zufallen, eine Pufferzone zwischen den beiden Rebellen-Fraktionen und den Regierungstruppen des liberianischen Staatschefs Charles Taylor zu schaffen und, wenn möglich, den intensiven Einsatz von Hilfswerken in dem von Terror und Bürgerkrieg geschundenen Land vorzubereiten. Bis 19. September könnte dann eine internationale Friedenstruppe mit einem Umfang bis zu 5000 Mann in Liberia sein.

Regierung wies Dienstag Waffenruheangebot der Rebellen zurück

In Liberia hatte die Regierung am Dienstag ein Waffenruheangebot der LURD-Rebellen zurückgewiesen, die den Hafen von Monrovia kontrollieren. LURD hatte erklärt, der Waffenstillstand trete in Kraft, wenn die Regierungstruppen ihre Angriffe auf die Rebellen einstellten. Der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo sagte nach einem Treffen mit dem britischen Premierminister Tony Blair in London, die von zwei nigerianischen Bataillonen angeführte ECOWAS-Friedenstruppe werde "in wenigen Tagen" in dem Bürgerkriegsland eintreffen. Ein hochrangiger nigerianischer Regierungsbeamter sagte, die USA und Nigeria seien sich noch nicht einig darüber, wer welche Kosten für den Einsatz übernehme.

Blutdiamantenverbot in den USA in Kraft getreten

In den USA ist am Mittwoch ein Importverbot für so genannte Blutdiamanten in Kraft getreten. Präsident George W. Bush unterzeichnete am Vortag eine entsprechende Verfügung, mit der die "Paten des Krieges" in den westafrikanischen Konfliktstaaten getroffen werden sollen. Als Blutdiamanten werden Rohdiamanten bezeichnet, mit denen Bürgerkriege in Afrika finanziert werden. Die USA sind der weltweit größte Importeur von Diamanten. Nach Schätzungen der US-Regierung stammen rund 15 Prozent aller auf dem Weltmarkt gehandelten Diamanten von von Schlachtfeldern Afrikas.

Vorwürfe gegen Taylor Bürgerkrieg in Sierra Leone zu schüren

Ein - von der EU bereits im Vorjahr angenommenes - international gültiges Kennzeichnungssystem soll verhindern, dass illegal geförderte Steine auf den Markt kommen, mit denen Bürgerkriegsparteien ihren Kampf finanzieren. Vertreter von Diamantenindustrie, Menschenrechtsgruppen und Regierungen hatten sich im so genannten Kimberley-Prozess darauf verständigt, dass beim Handel mit Rohdiamanten die Herkunft der Steine bescheinigt werden muss. Taylor wird unter anderem vorgeworfen, den Bürgerkrieg im Nachbarland Sierra Leone zu schüren, indem er den dortigen RUF-Rebellen beim Handel mit den so genannten Blutdiamanten half. Die eigene Diamantenproduktion Liberias belief sich in den letzten Jahren auf einen Wert von weniger als zehn Millionen Dollar. Nach amerikanischen Schätzungen exportierte das Land jedoch RUF-Diamanten im Wert von 300 Millionen Dollar.

Sierra Leone: Ex-Rebellenführer Foday ist tot

Der wegen Kriegsverbrechen angeklagte Ex-Rebellenführer Foday Sankoh ist tot. Der inhaftierte 65-jährige Ex-Chef der "Revolutionären Vereinigten Front" (RUF) von Sierra Leone starb nach Angaben des Kriegsverbrechertribunals am Dienstagabend in einem Krankenhaus der Hauptstadt Freetown. Sankoh war bereits seit längerer Zeit krank, im vergangenen Jahr erlitt er einen Schlaganfall. Die von Liberia unterstützte RUF hatte das westafrikanische Land 1991 in einen fast zehnjährigen blutigen Bürgerkrieg gestürzt. Die RUF-Rebellen gingen mit unglaublicher Grausamkeit gegen Zivilisten vor, sie entführten, töteten und verstümmelten zehntausende Menschen, indem sie ihnen mit Macheten Gliedmaßen, Ohren und Lippen abhackten. Der Krieg wurde erst 2002 offiziell für beendet erklärt. Sankoh war Anfang 2000 festgenommen worden. Vor dem internationalen Kriegsverbrechertribunal für Sierra Leone war er in 17 Punkten angeklagt. Bei seinem letzten Auftritt vor Gericht saß er im Rollstuhl und konnte offenbar nicht mehr auf die Fragen reagieren. (APA/dpa/AP)

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