Österreichs Banken stehen vor massivem Personalabbau

3. August 2003, 20:38
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Studie geht von groß angelegter Auslagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer aus

Frankfurt - Die großen Banken in Österreich, Deutschland und der Schweiz dürften in den nächsten Jahren Zehntausende Arbeitsplätze in Niedriglohnländer verlegen. Es sei damit zu rechnen, dass die führenden Finanzinstitute bis zum Jahr 2008 rund 100.000 Stellen aus den Bereichen Datenverarbeitung, Informationstechnologie oder Call Center in so genannte Billiglohnländer auslagern. Davon geht die Unternehmensberatung A.T. Kearney in einer am Dienstag in Frankfurt vorgelegten Studie aus. Die Banken könnten mit diesen Maßnahmen rund fünf Mrd. Euro einsparen.

Verwaltungskosten senken

Gründe für die Auslagerung der Stellen seien der Druck, die eigenen Verwaltungskosten weiter zu senken, und angesichts niedriger Börsenbewertungen auch die Furcht der Konzernführungen vor einer feindlichen Übernahme. Allein die deutschen Großbanken, der derzeit mit einer sehr schwachen Ertragslage bei gleichzeitig hohen Verwaltungskosten kämpfen, haben jüngst schon Zehntausende Arbeitsplätze gestrichen.

Große US-Finanzkonzerne hätten bereits Tausende von Arbeitsplätzen nach Indien verlagert, wo die Personalkosten für die Firmen nur einen Bruchteil im Vergleich zum Heimatland betragen, erklärte der Autor der A.T. Kearney-Studie, Andreas Pratz. Diesem Trend werde sich auch der europäische Bankensektor nicht entziehen können. "Die Amerikaner sind den Europäern aber fünf bis sieben Jahre voraus." Jobverlagerungen etwa nach Osteuropa - im Zuge der bevorstehenden Erweiterung der Europäischen Union - könnten die Kosten der Institute um 30 Prozent reduzieren, fügte Pratz hinzu.

Deutsche Bank will abbauen

Erst am Montag war bekannt geworden, dass die Deutsche Bank mögliche Ausgliederungen weiterer Arbeitsbereiche prüft. Einem Zeitungsbericht zufolge will Deutschlands größtes Geldhaus in der Sparte "Global Technology and Operations" (GTO) 5.500 Arbeitsplätze an externe Dienstleister abgeben oder in Niedriglohnländer verlagern. Ein Sprecher der Bank hatte den Bericht mit den Worten kommentiert: "Es gibt hierzu weder eine faktische Entscheidungsgrundlage, noch liegen konkrete Zahlen vor." Es gebe aber Überlegungen "prinzipieller Art".

Die US-Investmentbank Goldman Sachs will einem anderen Zeitungsbericht zufolge im nächsten Jahr einen "wesentlichen Teil" ihrer Aktivitäten in Großbritannien nach Indien verlagern. Die US-Großbanken J.P. Morgan und Citigroup haben schon Arbeitsplätze aus dem Bereich der Unternehmensanalyse in Niedriglohnländer verlegt. (APA/Reuters)

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