Die Karte des Schlaraffenlands

18. August 2003, 11:17
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Universitätsbibliothek Graz enthält detaillierte Karte nach Beschreibung eines österreichischen Generals aus dem 17. Jahrhundert

Graz - Der Weg ins Schlaraffenland, dem Land, in dem die Natur in verschwenderischer Fülle die delikatesten Güter hervorbringen und ein sorgenloses Leben garantieren soll, führt über die Universitätsbibliothek (UB) Graz. Dort lagert im "Atlas nous terrarum" (1716) von J.B. Homann die "Schlaraffenlandkarte", die auf die Beschreibung eines österreichischen Generals aus dem 17. Jahrhundert zurückgeht.

"So wie es uns auf der Landkarte entgegentritt, bildet das Schlaraffenland einen ganzen Weltteil, bestehend aus 17 Provinzen und etlichen Inselgruppen", so Hans Zotter, der Leiter der Sondersammlung-Abteilung der UB. Über 2.000 fiktive Ortsnamen, aber auch Landschaftsbezeichnungen und Flüsse beschreiben das Land ausführlich. Wer also ins "Narrenland" oder "Verschwenderland" reisen möchte oder sich für die geographischen Gegebenheiten im "Reich des Magens" interessiert, nach "Machsdusfürmich" möchte oder den "Ursprung des Weißbiers" finden möchte, ist an der UB richtig aufgehoben.

Die Absicht der Schlaraffengeographen

"Der Zweck der Karte ist ein eindeutig moralisierender", so Zotter. "Während zu den traditionellen Motiven der Schlaraffenlandfabel, die sich bis auf antike bzw. indische Quellen zurückführen lässt, die verkehrte Welt, die Utopie des Überflusses, eine Welt ohne Arbeit, ohne Alter und Not gehört, werden hier die Laster und Tugenden als geographische Begriffe versachlicht", erklärt der Experte.

Als Bezugspunkte dienen Nord- und Südpol, wobei der Nordpol als "Terra Sancta Incognita" (unbekanntes Land der Frommen) und der Südpol als "Tartari Regnum oder das Höllische Reich" bezeichnet werden. "Es ist klar, dass es die Bewohner von 'Magenland', 'Trinkland', 'Faulpelzland', des 'Landes der Geizigen', 'Unzuchtland', 'Sauland, 'Schlemmerland' und 'Fluchland' unweigerlich nach Süden in die Hölle zieht", so Zotter.

Internationaler Mythos

Grundlage für diese Fantasiekarte ist ein Buch des kaiserlichen Generals Johann Andreas Schnebelin (gest. 1706). Das Werk erfuhr keine allzu große Verbreitung, wohl aber die danach gestochene Landkarte.

Die Idee eines "Schlaraffenlandes" führt weltweit unzählige Namen: "Cucania" und "Coquaigne" ("Kuchenland" in Italien und Frankreich), "Lubberland" in England, "Liulekkerland" in den Niederlanden oder "El Dorado" im Spanischen. Etwa seit 1400 im deutschsprachigen Raum nachweisbar, wird das Wort "Schlaraffenland" auf "Schlaraffe" - eine Verknüpfung des mittelhochdeutschen "slur" (Faulenzen) und "affe" im Sinne von Tor, Narr - zurückgeführt. (APA)

Wem die Vergrößerungsfunktion nicht ausreicht, der kann sich die vollständige Karte auch auf der Webseite der UB Graz anschauen
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