Feminine Strategie gegen Aids prallt gegen maskuline Mauer

12. August 2003, 13:06
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US-Wissenschafterin arbeitet an HIV abtötendem Vaginalgel

New York - Zeda Rosenberg prallt auf Mauern. Auf maskuline. Schon während ihrer Zeit als wissenschaftliche Leiterin des Aids-Präventionsnetzwerks des National Institutes of Health wurde sie von ihren männlichen Kollegen "that jam and jelly lady" genannt - die 49-jährige US-Forscherin arbeitet an HI-Viren zerstörenden Salben und Gelen. Mit diesen hofft sie jenseits des wissenschaftlichen Mainstreams eine neue Strategie gegen die Ausbreitung der Immunschwächekrankheit Aids entwickeln zu können. Ziel ihrer geplanten Interventionsmaßnahmen: die Frau.

Seit mehr als einem Jahrzehnt wisse und sehe man, dass Mädchen und Frauen eine gleichermaßen tragische wie wichtige Rolle bei der Ausbreitung von Aids zukommt, erklärte Rosenberg Dienstag der New York Times. In Staaten, in denen sich Frauen aufgrund kultureller Gegebenheiten nicht gegen die dominanten Männer wehren können, führten in der Regel ungeschützter Sex und Vergewaltigungen - auch innereheliche - zu einer steigenden Zahl von infizierten Frauen und Mädchen, die das Virus nicht nur anderen Männern, sondern auch ihren Kindern weitergeben. Daher müssten Frauen das Ziel von Präventionsmaßnahmen sein.

Große Hoffnungen in Impfstoffe, an denen ebenfalls seit mehr als einem Jahrzehnt vergeblich geforscht wird, hat Rosenberg nicht. Die heutige Leiterin der "International Partnership for Microbicides" setzt auf ein Gel, welches das Eindringen der Viren in Zellen der Vagina verhindert.

Das Virus, über den Samen des infizierten oder kranken Mannes in die Vagina gebracht, sucht sich in der Schleimhaut von Scheide und Gebärmutterhals seine Zielzellen. In diese dringt es ein, beginnt dort mit seiner fatalen Infektionsarbeit. Insgesamt fünf Substanzen werden von Rosenberg und ihrem Team derzeit erforscht, die die Infektion verhindern sollen: Durch Veränderung des Säure-Base-Haushalts der Vaginalschleimhaut soll ein Milieu geschaffen werden, in dem das Virus abstirbt, zudem sollen Chemikalien das Eindringen des Virus in die Zellen verhindern. Rosenberg rechnet damit, dass ein entsprechende Gel bis 2010 am Markt sein wird - für die Betroffenen finanziell leistbar. Damit wären Millionen Frauen nicht mehr dem Goodwill der Männer ausgeliefert, sich ein Kondom überzustülpen.

Die Idee sei nicht neu, betont Rosenberg, doch habe sie bisher niemanden interessiert. Warum? An den Schaltstellen für wissenschaftliche Förderungen säßen Männer, diese hätten kein großes Interesse an frauenspezifischer Forschung. Weiters sei mit derartigen Arbeiten kaum eine Publikation in Topmagazinen wie Nature oder Science möglich, deren Autoren ebenfalls primär Männer sind. Rosenbergs Forschungen werden privat gesponsert, staatliche Förderung gibt es keine. (fei/DER STANDARD, Printausgabe 30.07.2003)

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