Zweimal schnell durch Floridsdorf

18. Februar 2005, 14:38
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Floridsdorf profitiert vom U-Bahn-Bau - Nach der U6 wird in ein paar Jahren die U1 den Norden der Stadt erschließen

Damit wird die Wagramer Straße einmal entscheidend entlastet, berichten Experten in der STANDARD-U-Bahn-Serie. Der Bau der Verbindung ist technisch schwierig.

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Bezirksvorsteher Heinz Lehner hat einen Wunsch an seine Bezirksbewohner: "Dass sie sehr geschwind draufkommen, dass sie schnell im Zentrum sind." Die relative Schnelligkeit des U-Bahn-Fahrens könnten die Floridsdorfer tatsächlich 2006 entdecken. Ab dann erschließt nach der U6 eine zweite U-Bahn-Linie den Bezirk, konkret ab der U1-Station "Aderklaaer Straße". Von dort wird man in knapp 20 Minuten am Stephansplatz sein. "Das schafft man mit dem Auto nie", weiß Lehner. Noch müssen Bewohner mit der Bim bis "Kagran" fahren, ehe sie in die U1 umsteigen können. Die rote Linie war übrigens die erste, deren Bau 1968 vom Gemeinderat beschlossen wurde.

An fast allen Orten, die mit der U-Bahn angefahren werden, tut sich städtebaulich viel - was Bürger nicht immer mit Freude erfüllt. Was etwa die Bauweise auf Stelzen anlangt, die am Rennbahnweg und in der Großfeldsiedlung großteils schon realisiert ist, hat es ab 1997 Bürgerproteste gegeben. Entlang der Strecke mussten deswegen Häuser, Firmengebäude oder ein Altersheim abgerissen werden. Die Anwohner wollten zwar die U-Bahn, aber sie sollte ihrer Vorstellung nach nur unter der Erde fahren. Das wurde seinerzeit wegen zu hoher Kosten abgelehnt.

Beschwerden seien rar geworden

Mittlerweile haben sich die Menschen an die Stelzen und Rampen im Stadtbild gewöhnt. Nach Beobachtungen von Stephan Nemeth, Bauabschnittsleiter bei den Wiener Linien, sind Beschwerden rar geworden. Er führt das auch darauf zurück, dass "wir mitten unter den Leuten sind". Will heißen, die Container der Baubüros stünden entlang der Strecke, man sei bei Problemen ansprechbar.

Vom Stadtbild her wird man sich auch bei der Station "Aderklaaer Straße" an neue Ansichten gewöhnen müssen. Nach Plänen von Architektin Sonja Gasparin ("Leitprojekt Brachemühle") wird dort viel gebaut: Hochhäuser, ein Einkaufszentrum, Wohn-, Freizeit- und Kulturanlagen.

Rund um die Station "Großfeldsiedlung" lebt ein Gutteil jener rund 90.000 Wiener und Wienerinnen, die überhaupt entlang der U1-Strecke auf Floridsdorfer Boden wohnen. Für sie, betont SP-Bezirkschef Heinz Lehner, werde das Nahversorgungszentrum "Ekazent" erweitert. Wobei Lehner die Betonung auf "Nahversorgung" legt - an Einkaufstempel à la SCS oder Donauzentrum sei nicht gedacht.

Technische Finessen

Der U-Bahn-Bau ist an sich eine technische Meisterleistung, Experte Stephan Nemeth hat aber noch ein paar Gustostückerln, die es umzusetzen galt in seinem Bauabschnitt: In einem Gemeindebau in der Bubergasse musste ein ganzes Brückentragwerk in den Keller betoniert werden, damit das Gebäude angesichts des darunter liegenden U-Bahn-Schachts nicht zusammenbricht. Mindestens so abenteuerlich hört sich Folgendes an: Für die Rinne, in der die U-Bahn einmal brausen wird, mussten Taucher ans Werk. Sie betonierten unter Wasser, weil der Grundwasserpegel in der Gegend hoch ist. Es bestand keine Möglichkeit, ihn künstlich zu senken. Nemeth voll Stolz: Diese Methode, eine "Wasserbetonsohle" zu bauen, "haben wir erstmals im großen Stil angewandt". (Andrea Waldbrunner/DER STANDARD; Printausgabe, 30.7.2003)

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