Herzl-Projekte in Wien und Jerusalem

3. August 2003, 18:57
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Platzbenennung zum 100. Todestag des Zionismus-Begründers - neues Museum in Israel

Wien/Jerusalem - In einem Jahr, am 4. Juli 2004, wird der 100. Todestag eines Mannes begangen, der von Wien aus die Welt veränderte: Theodor Herzl, Journalist, Theaterautor und als Begründer des politischen Zionismus geistiger Vater des Staates Israel.

In Vorbereitung auf dieses Ereignis überlegt die Stadtverwaltung Wiens, wo es derzeit nur eine Theodor-Herzl-Stiege nahe der Synagoge in der Innenstadt gibt, im Zentrum eine Straße oder einen Platz nach ihm zu benennen.

Am Albertinaplatz?

Dies könnte der Platz vor der Albertina sein, auf dem Alfred Hrdlickas Mahnmal gegen Krieg und Faschismus steht. Das erfuhr Yissakhar Ben-Yaacov, ehemaliger Botschafter Israels in Österreich, als er in Wien ein derzeit in Jerusalem verfolgtes Projekt präsentierte. Dort soll das kleine, 1960 eingerichtete Museum am Herzlberg bis 2004 großzügig erneuert und zu einer interaktiven Stätte der Erinnerung gestaltet werden.

Weil bei Befragungen unter jungen Israelis herauskam, dass ihnen die Entstehungsgeschichte des Zionismus, trotz der großen Präsenz des Namens Herzl, nicht wirklich etwas sagt, soll sie im neuen Museum sinnlich erfassbar werden. Auffallend dabei ist die starke Präsenz Wiens. Der Donaumetropole im ausgehenden 19. Jahrhundert, wo der 1860 in Budapest geborene Herzl Feuilletonchef der Neuen Freien Presse und am Burgtheater gespielter Bühnenautor war, wird der erste Raum des Museums gewidmet sein. Mit Sight & Sound werden die Besucher zum Dreyfus-Prozess in Paris geführt, wo der Zeitungskorrespondent Herzl mit dem Antisemitismus konfrontiert wurde.

Nach dem dritten Raum, der dem ersten 1897 in Basel abgehaltenen Zionistenkongress gewidmet ist, geht es in Herzls Wiener Arbeitszimmer, wo er seine Korrespondenz zur Schaffung des Judenstaates bearbeitete.

Getragen wird das Projekt von der Zionistischen Weltorganisation und von der Jerusalem Foundation, deren Gründer und langjähriger Bürgermeister der Stadt, Teddy Kollek (92), der bekannteste aus Wien kommende und mit Wien verbundene Israeli ist. Bei Wiener Förderern bemühte sich Yissakhar Ben-Yaacov auch um Unterstützung für das Museumsprojekt. "Von den Kosten in Höhe von 2,6 Millionen Dollar übernimmt die Jerusalem Foundation 1,6 Millionen; davon sind bereits drei Viertel vorhanden."

Der Diplomat Ben-Yaacov war in der Kreisky-Ära von 1979 bis 1982 Botschafter in Österreich. "Es waren schwierige Zeiten", vor allem wegen der Palästinenser-Kontakte des Bundeskanzlers. "Kreisky setzte sich aber auch für gefangene Israelis bei der PLO und für einen im Iran zum Tode verurteilten Juden ein."

Generell schätzt Ben-Yaacov die Entwicklung der Beziehungen relativ gelassen ein. "Es gab immer Ups and Downs", in Österreich hätten aber auch viele Leute aus der Geschichte gelernt.

Der gegenwärtige israelische Premierminister Ariel Sharon habe bereits vor einem Jahr gesagt, dass er wieder einen Botschafter nach Österreich entsenden werde. Es sei wohl unter anderem auch darum gegangen, "den geeigneten Mann zu finden". (Erhard Stackl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 7. 2003)

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