Futtermangel führt zu Notschlachtungen

3. August 2003, 20:35
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Die anhaltende Dürre bedroht die Existenz der Grünlandbauern - Diese haben bereits mit den Notverkäufen ihrer Tiere begonnen

Wien - Hitze und starke Hagelunwetter haben in Österreich ebenso wie in anderen EU-Ländern für massive Ernteausfälle bis zu 70 Prozent des Ertrags gesorgt. Um den Bauern zu helfen, greift die Politik jetzt zu Kreditstundungen und Preisstützungen. Auch der Katastrophenfonds soll in die Pflicht genommen werden. Mittelfristig will der Bauernbund speziell auf Grünbauern zugeschnittene Witterungsversicherungen.

Stundung von Rückzahlungen

Um die ärgsten Folgen der Dürre in Österreich für die Landwirtschaft abzumildern, hat Agrarminister Josef Pröll den Bauern eine Stundung der Rückzahlung der Investitionskredite ermöglicht. Damit soll den Bauern aus der akuten Liquiditätskrise geholfen werden. Zugleich verhandelt man bereits mit dem Finanzministerium über das Anzapfen des Katastrophenfonds. In dem Topf kommen alljährlich etwa 260 Mio. Euro zusammen, allerdings ist genau festgelegt, wofür wie viel Geld ausgeschüttet werden darf.

Vom Niederschlagsmangel ökonomisch massiv betroffen sind die Grünlandbauern, während die Getreidefarmer Hilfe von der Hagelversicherung erhalten werden. Der massive Mangel an Viehfutter habe schon zu ersten Notverkäufen geführt. Dabei geht laut Bauernbund die Schere zwischen sinkenden Erlösen aus dem Verkauf der Tiere und den stark steigenden Kosten für Heu, Gras und andere Futtersorten immer stärker auf. So seien die Rindfleischpreise seit Anfang Mai um zehn Prozent gefallen, sie deckten gerade noch die Kosten.

Rindfleisch unter Gestehungskosten

Wenn es nicht bald regne, könnten die Rindfleischpreise unter die Gestehungskosten fallen. Trotz der Grillsaison bleibt die Nachfrage nämlich relativ konstant. Hoch her geht es dagegen bei den Futtermittelpreisen. Sie seien um 20 bis 30 Prozent angewachsen und würden sogar schon über dem Getreidepreis liegen.

Weitere von der EU bereits sanktionierte Notmaßnahme: Die Landwirte dürfen stillgelegte Flächen für Futtermittelanbau nutzen. Das reicht aber nicht, sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. Auf europäischer Ebene will Österreich ebenso wie andere EU-Länder einen Teil des gelagerten Interventionsgetreides loseisen. Bauernbund-Direktor Matthias Thaler sieht darin aber nicht den Stein der Weisen: "Dann wird es in Europa einen Run auf Interventionsgetreide als Futtermittel geben, und die Preise werden stark steigen."

Auswirkungen auf Konsumenten

In Österreich denken die Agrarpolitiker laut über Preisstützungen für Futtermittel und Frachtkostenzuschüsse nach. Diese Maßnahmen habe man in den vergangenen Jahren schon mehrmals gesetzt, Frankreich mache das bereits.

Unter die Arme greifen will man auch den Bauern mit Spezialkulturen wie Obst, die im Burgenland und in der Südsteiermark schon mehrere Trockenjahre hinter sich haben. Als Ausweg denkt man beim Bauernbund bereit über Investitionszuschüsse für Bewässerungsanlagen nach.

Die Dürre werden laut Branchenkennern auch die Konsumenten spüren. Bei Mais, Zuckerrüben oder Kartoffeln gebe es massive Ernteausfälle, und da würde auch Regen nicht mehr helfen. "Kräftige Niederschläge könnten die Qualität gar verschlechtern", sagt Landwirtschaftskammerchef Rudolf Schwarzböck. Auch der Wein beginne in besonders trockenen Gebieten schon zu leiden, damit könnte es mit dem erhofften Jahrhundertjahrgang Essig werden. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD Print-Ausgabe, 30.7.2003)

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