Totenmasken jüdischer KZ-Häftlinge werden nicht mehr ausgestellt

1. August 2003, 21:36
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Chefkuratorin des Jüdischen Museums erinnert an intime Bedeutung von "Schauobjekten"

Berlin/Wien - Sechs Jahre nach einer Ausstellung von 29 Totenmasken ermordeter jüdischer KZ-Häftlinge im Wiener Jüdischen Museum werden diese Masken in absehbarer Zeit nicht wieder der Öffentlichkeit gezeigt. Das sagte die Chefkuratorium des Museums, Felicitas Heimann-Jelinek, bei einem Vortrag im Berliner Jüdischen Museum, in dem es um den Umgang mit "Forschungsobjekten" der nationalsozialistischen Rassenforschung ging.

Nach der Ausstellung im Sommer 1997 seien die 29 Masken wieder verpackt worden und lägen als Dauerleihgabe der israelitischen Kultusgemeinde im Jüdischen Museum, sagte dessen Chefkuratorin. Es gebe zwar Anfragen nach Leihgaben aus aller Welt, aber, so Heimann-Jelinek: "Ich glaube, dass wir es weiterhin ablehnen würden. Weil es wahnsinnig schwer ist zu entscheiden, wann etwas zum Schauobjekt wird und wann nicht."

Aufarbeitung

Die Masken wurden 1942 vom nationalsozialistischen Leiter der Anthropologischen Abteilung des Wiener Naturhistorischen Museums, Josef Wastl - nach 1945 als "minderbelastet frühpensioniert -, beim Anatomischen Institut Posen (Poznan) angefordert. Samt der Totenschädel der in KZs ermordeten Juden kamen sie noch im selben Jahr nach Wien. Anfang der 90er Jahre übergab sie das Naturhistorische Museum der Kultusgemeinde.

Dem Naturhistorischen Museum bescheinigte Heimann-Jelinek: "Was die Aufarbeitung betrifft, wird wahnsinnig gut gearbeitet". Das Jüdische Museum wiederum beherberge noch weitere "Zweifelsfälle" für eventuelle Ausstellungen. Die Chefkuratorin nannte "nicht spektakuläre" Gegenstände wie Memorabilien von NS-Opfern, die nicht überlebt haben. Solche Gegenstände würden mitunter ohne ausreichende Reflexion benutzt: "Sie sind oft für den Besucher ohne Bedeutung, aber von größerer, intimer für den ehemaligen Besitzer", sagte Heimann-Jelinek. Ein weiteres Objekt, dessen Ausstellung fraglich sei, habe das Wiener Jüdische Museum vor wenigen Monaten erhalten: Filzstiefel, deren Sohlen aus Menschenhaaren gefertigt sind. (APA)

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