Nach Kritik: Polizei modifiziert Internet-Fotogalerie von G-8-Gegnern

6. August 2003, 11:22
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Ursprünglich waren mutmaßliche Randalierer von Genfer Gesetzeshütern als "Kriminelle" tituliert worden

Nach der Kritik an ihrer Internet-Fotogalerie mutmaßlicher G-8-Randalierer (der WebStandard berichtete) hat die Genfer Polizei den Ton ihres Fahndungsaufrufs gedämpft. Das Wort "Kriminell" wurde gestrichen, nicht aber die Bezeichnung "erwiesene Randalierer". Verschiedene Rechtsexperten hatten sich daran gestoßen, dass die Polizei die Gesuchten im Begleittext zu den Fahndungsfotos als "Kriminelle" bezeichnete, obwohl die Betroffenen nicht verurteilt waren. Neu lautet der Satz neutraler: "Unser Wille ist es, diese Personen nicht ungestraft zu lassen".

Klage wegen übler Nachrede oder Verleumdung

Am Dienstag stellte sich ein Schweizer Attac-Mitglied der Genfer Polizei zur Einvernahme. Der Mann hatte sein Foto auf der Internet-Seite entdeckt und am Montag vor den Medien seine Unschuld beteuert. Er habe zwar an Demonstrationen teilgenommen, sei aber nicht an Gewaltakten beteiligt gewesen. Sein Anwalt will gegen die Polizei eine Klage wegen übler Nachrede oder Verleumdung einreichen.

Der 32-jährige Globalisierungskritiker war am Tag der grossen Anti-G-8-Kundgebung von einem Journalisten der Neuenburger Zeitungen "L'Express" und "L'Impartial" begleitet worden. In einem am nächsten Tag erschienen Artikel hatte der Mann Vandalismus und Gewaltakte verurteilt. Zur Einvernahme am Dienstag wurde der Mann von rund einem Dutzend Sympathisanten ins Polizeigebäude begleitet. Dabei musste sich die gesamte Gruppe einer Identitätskontrolle unterziehen, wie eine Begleiterin erklärte.(APA/sda)

  • Artikelbild
    foto: epa/keystone/gaetan bally
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