Ende einer Erregung

1. August 2003, 14:09
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Umstrittene Gelatin-Skulptur wird abgebaut: Für "wahltaktisches Wort-Geplänkel" steht sie nicht mehr zu Verfügung

Salzburg - Triumph für die Gegner des Arc de Triomphe beim Salzburger Festspielbezirk: Agnes Husslein, Direktorin des Rupertinums, gab am Dienstag bekannt, dass die von der Stadt eingehauste Plastilin-Skulptur von Gelatin bis 5. August abgebaut wird. Von einem Beugeakt will sie aber nichts wissen: Es sei ihr lediglich daran gelegen, das Kunstwerk nicht mehr für "wahltaktisches Wortgeplänkel" zur Verfügung zu stellen. Der Holzverschlag rund um die umstrittene Skulptur "Arc de Triomphe" wird nun am Freitag ebenso abgebaut wie das Kunstwerk selbst. Das Museum der Moderne Rupertinum hat seinen Antrag auf eine "einstweilige Vorkehrung" beim Bezirksgericht am Mittwoch zurückgezogen. Die anderen Klagen werden ebenfalls zurückgezogen, sobald die Skulptur vollständig entfernt ist, teilte der Sekretär von Landeshauptmann Schausberger mit. Damit scheinen die endlosen Diskussionen und politischen Streitereien beendet zu sein. Lediglich die Frage der Haftung ist noch nicht geklärt: Die Stadt Salzburg lehnt jede Haftung für etwaig entstandene Schäden ab.

SP-Bürgermeister Heinz Schaden reagierte erleichtert. Es sei ihm nicht um eine Machtdemonstration gegangen, aber die Statue "eines durchgeknallten Typs, der sich - auf gut Deutsch - selbst in den Mund pinkelt" im öffentlichen Raum sei nicht zu tolerieren gewesen: Auch die Kunst dürfe niemanden zwingen, eine derart "zweifelhafte Darstellung" im Vorbeigehen betrachten zu müssen.

Die Behörden, die mündlich oder schriftlich die Genehmigung zur Aufstellung erteilten, seien, meint Schaden, "hinters Licht geführt" worden. Denn die Skizze, die von Gelatin eingereicht worden war, stellt eine ungleich harmlosere Triumphbogenvariante dar.

Husslein hingegen meint, dass sich das Magistrat nur für die Ausmaße der Skulptur zu interessieren habe, nicht aber für die Ästhetik. Es sei daher einerlei, ob sich Skizze und Ausführung decken oder nicht. Zudem sei die Stadt laut Straßenverkehrsordnung nicht berechtigt gewesen, ein Objekt auf einer öffentlichen Verkehrsfläche einzuhausen. Sie brachte Klage ein - wie zuvor Schaden, der jene der Stadt nun, nach Ende des Streichs, zurückziehen will.

(DER STANDARD, Printausgabe, 30.7.2003/APA)

  • "Honni soit qui mal y pense", dachte man sich wohl im Salzburger Magistrat - und genehmigte, nachdem man nebenstehende Skizze der Wiener Künstlerboygroup Gelatin begutachtet hatte, die Errichtung der Skulptur "Arc de Triomphe". Doch als der Bogen zum nackten Mann mutiert war, fühlte man sich ziemlich genarrt ...
    grafik: rupertinum/gelatin

    "Honni soit qui mal y pense", dachte man sich wohl im Salzburger Magistrat - und genehmigte, nachdem man nebenstehende Skizze der Wiener Künstlerboygroup Gelatin begutachtet hatte, die Errichtung der Skulptur "Arc de Triomphe". Doch als der Bogen zum nackten Mann mutiert war, fühlte man sich ziemlich genarrt ...

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