Warten auf die reife Frucht

4. August 2003, 14:47
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In der Schweiz wird ein Kauf der maroden Swiss durch die deutsche Lufthansa weiter heftig herbeigeschrieben - Doch Vorsicht ist geboten

Der Kaufplan für die Swiss stehe schon bis ins Detail, war am Wochenende wieder zu hören, Anfang August falle die Entscheidung. Schon sorgt sich der Blick, trotz aller Dementis aus Frankfurt: "Verschenken wir die Swiss an die Deutschen?" Im Moment sind das wohl eher Wunschträume einiger Spitzenmanager der maroden Schweizer Fluggesellschaft.

Sie sind es wohl auch, die der Presse immer neue "Informationen" zustecken, um die Öffentlichkeit für ihre Absichten zu gewinnen. Immerhin schießt jeweils montags der Kurs der Swiss-Aktie in die Höhe. Die Konzernleitung will damit nichts zu tun haben: "Das sind alles nur Spekulationen", sagte ein Sprecher zum STANDARD, "das bringt uns nur Unruhe."

Ermittlungen der Schweizer Börse

Nun ermittelt sogar die Schweizer Börse in einem anderen Zusammenhang gegen die Swiss wegen einer möglichen Verletzung der Ad-hoc- Publizitätspflicht. Die Airline habe im Februar Geschäftspartner vermutlich vor dem Markt über ihre Restrukturierungspläne informiert, dadurch könnte eine Verletzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes der Marktteilnehmer vorliegen.

Die Swiss ist die Nachfolgerin der Swissair, die Ende 2001 an Größenwahn zugrunde gegangen war. Tag für Tag verliert die Swiss zwischen drei und vier Mio. Franken, und wenn es so weitergeht, ist das von den Steuerzahlern und Schweizer Großunternehmen eingebrachte Kapital bis Jahresende aufgebraucht. Im Juni hatte Konzernchef Andr´e Dose noch einmal energisch den Rotstift angesetzt, die Zahl der Angestellten von 9000 auf 6000 verringert, die Flugzeugflotte um ein Drittel und die Destinationen um ein Viertel gekürzt.

Umbuchen Ausländische Gesellschaften springen dankbar in die Lücke. So bieten die AUA den Swiss-Kunden an, zu gleichen Konditionen auf ihre Flüge umzubuchen.

Um über die Runden zu kommen, ist die Swiss auf einen neuen Kredit in Höhe von 500 Mio. Franken (323 Mio. Euro) angewiesen. In der Schweiz scheint keine Bank bereit, sich auf dieses Abenteuer einzulassen, und das Wohlwollen des Staates ist längst erschöpft.

Kooperationen überlebenswichtig

Langfristig, das weiß Dose, kann die Fluggesellschaft wegen ihres kleinen Heimmarkts nur überleben, wenn sie mit anderen zusammenarbeitet. Da momentan keine der großen Allianzen bereit ist, die Schweizer aufzunehmen, bleibt wohl nur eine Fusion. Die Deutschen, heißt es, könnten einen Teil der Aktien erwerben, mit einer Option auf die Mehrheit, sie würden die strategische Führung übernehmen, gleichzeitig aber auch die Größe des Flughafens Zürich garantieren. Und die Deutsche Bank ist angeblich bereit, die nötigen 500 Mio. Franken zuzusteuern. Doch warum sollten es die Deutschen in der angespannten Situation der Flugverkehrsbranche eilig haben mit dem Schweizer Sorgenkind? Logischer wäre, dass sie noch eine Weile warten. Bis die Frucht so reif ist, dass sie vom Baum fällt. (Thomas Kirchner, DER STANDARD Print-Ausgabe, 30.7.2003)

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    Die Spekulationen rund um Lufthansa und Swiss wollen nicht abreißen.

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