Ground Zero-Wiederaufbau in "Lichtgeschwindigkeit"

4. November 2005, 20:54
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Siegerarchitekt Libeskind sieht New Yorker Öffentlichkeit hinter sich stehen - Beim Jüdischen Museum in Berlin war es schwieriger

New York - Stararchitekt Daniel Libeskind fühlt sich im Gerangel um den Wiederaufbau des World Trade Center (WTC) in New York von der Öffentlichkeit gestützt. "Ich werde ständig von Menschen auf der Straße angesprochen, die wissen, wie schwer (diese Aufgabe) für mich ist und die mich zum Durchhalten ermuntern", sagte Libeskind bei einem Gespräch in New York. Sein Design für die Neubebauung von Ground Zero war bei einer öffentlichen Ausschreibung als Sieger hervorgegangen.

Inzwischen steht fest, dass nicht Libeskind, sondern ein anderer Architekt die Federführung bei dem Projekt haben wird. Er wurde von dem New Yorker Immobilienmakler Larry Silverstein eingesetzt, der die beiden Zwillingstürme des World Trade Center zwei Monate vor ihrer Zerstörung durch die Terrorangriffe des 11. September 2001 gepachtet hatte und den Wiederaufbau mit den Geldern seiner Versicherungen finanzieren wird.

"Ich hatte nie erwartet, dass ich der einzige Architekt bei dem Projekt sein würde"

"Wir dürfen nicht vergessen, dass wir eine Marktwirtschaft haben, und in einer Stadt leben, in der Geld und Macht zusammen gehören", sagte Libeskind. Im Gespräch versuchte er zu relativieren, was einige New Yorker Zeitungen eine Schlappe für ihn nennen. "Natürlich hatte ich nie erwartet, dass ich der einzige Architekt bei dem Projekt sein würde." Dass er dem Team unter Silversteins Chefdesigner David Childs nur als beratender Architekt zur Seite steht, stört Libeskind eigenen Angaben zufolge nicht.

Vielmehr sei es ein Riesenerfolg, dass das Kernstück seines Designs, der so genannte Freedom Tower, so gebaut werde, wie er ihn entworfen habe. "Er wird genau die Form und die Höhe haben, die ich für ihn vorgesehen habe", betonte Libeskind.

Baubeginn auf nächsten Wahlkampf in New York abgestimmt

Baubeginn soll auf Wunsch von New Yorks Gouverneur George Pataki bereits im Sommer 2004 sein, rechtzeitig für den nächsten Wahlkampf. Bezogen werden könnte er dann 2007 bis 2008. Das gesamte Projekt mit Kulturzentren, der Bahnstation und zusätzlichen Bürotürmen sowie Einkaufspassagen könnte bis zu einem Jahrzehnt in Anspruch nehmen - einen Zeitraum, den Libeskind bis zum Ende mitgestalten will.

Ob auch die Anordnung der Gebäude nach seinem Plan erfolgt, weiß der gefeierte Architekt und Designer des Jüdischen Museums in Berlin noch nicht. Sein Team sei gebeten worden, sich nach alternativen Standorten umzuschauen. Dabei habe Pächter Silverstein "seine eigenen Ideen" und dränge vor allem zur Eile.

Größere Akzeptanz als beim Berliner Jüdischen Museum

Im Gegensatz zum Jüdischen Museum, das laut Libeskind am Anfang auf große Skepsis bei der Berliner Bevölkerung gestoßen war, fühle er New York jetzt voll hinter sich. Die Bevölkerung habe fast einstimmig für eine Zukunft von Ground Zero gestimmt und ebenso überwältigend positiv für seinen Entwurf. "In Berlin hatte ich dagegen viele Feinde. Die meisten konnten sich erst mit dem Museum identifizieren, als es fertig gestellt war". Allerdings wurde das Jüdischen Museum auch für eine andere Generation gebaut als die direkt betroffene. In New York aber seien die Erinnerungen noch so frisch, dass alle Bürger in die Designwahl mit einbezogen werden konnten und der Wiederaufbau jetzt "in Lichtgeschwindigkeit" vorangehe. (APA/dpa)

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    Libeskind wurde bei der Ausführung des Projektes in die zweite Reihe verwiesen: "Natürlich hatte ich nie erwartet, dass ich der einzige Architekt bei dem Projekt sein würde."

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