U1 wird ausgebaut

18. Februar 2005, 14:38
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Pendler werden ab 2006 bis in die Leopoldau fahren können

Wien - Das Café Falk ist so was wie eine Institution am Kagraner Platz. Dem Vernehmen nach haben sich dort schon viele Liebespaare getroffen. Und früher, da hieß es was, wenn man beim Sonntagskaffee daheim sagen konnte: "Die Mehlspeisen sind vom Falk." Die Hochblütezeit des Lokals scheint vorbei, das Mittagsmenü "Spaghetti Carbonara mit Blattsalat" um günstige fünf Euro essen manche immer noch gern.

Mit der Lage direkt an der Trasse der U1, die spätestens 2006 von der jetzigen Endstation Kagran entlang der 25er-Bim bis Leopoldau geführt wird, wird das Lokal verkehrstechnisch geradezu ideal erschlossen: Direkt daneben an der Station "Kagraner Platz" werden Passanten aus der Tiefe tauchen. Gegenüber, Donaufelder Straße stadtauswärts, wird der zweite Aufgang errichtet.

Die U-Bahn wird von der jetzigen Endstation "Kagran" beim Donauzentrum - dort fährt sie einige Meter über dem Erdboden - langsam abfallend ins ehemalige Ortszentrum geführt. "Bei der Steigenteschgasse versinkt sie in den Boden", erklärt Martin Heyda (Wiener Linien), den Kagraner Platz quere sie unterirdisch, um auf der anderen Seite, Richtung Station "Rennbahnweg" auf Rampen oberirdisch dahinzubrausen. Für die Bewohner ist es wegen des Lärms wichtig, dass die Stationen ("eine drübergestülpte Schachtel") eingehaust werden, meint Heyda.

Insgesamt wird der Ausbau der U1 Richtung Norden rund 510 Millionen Euro kosten. Von Kagran bis Leopoldau entstehen fünf neue Stationen. Die künftige Endstation zwischen der Leopoldauer Scherergasse und der Thayagasse ist schon jetzt eine Großbaustelle, an der S-Bahn, U-Bahn und regionale Buslinien nach Niederösterreich ihren Knotenpunkt haben werden.

Was entlang der neuen U1-Achse an Stadtentwicklung passiert, ist im Detail noch nicht festgelegt. Stadtplanerin Elfriede Heinrich (MA 21B) berichtet, dass dafür erst Planungswettbewerbe abgewickelt werden. Experten sollen Ideen finden, wie Kagran für die Bevölkerung attraktiver werden kann, wo und wie einmal Bus und Straßenbahn verkehren oder Freizeit- und Wohnbauten entstehen könnten. Für das Gebiet zwischen Kagran und Steigenteschgasse werde im Oktober eine Entscheidung über die künftige Nutzung fallen, erklärt Heinrich. Ähnliches gilt für bisher landwirtschaftlich genutztes Land ("LGV-Gelände").

Fix ist derzeit, dass in der Kagraner Gegend zwei Einkaufszentren als Standorte erhalten, ja sogar ausgebaut werden sollen: das Donauzentrum und - fährt man entlang der Wagramer Straße noch ein Stück weiter - das Einkaufszentrum am Rennbahnweg. Tausende Bewohner, die am Rennbahnweg ihr Heim haben, sehen schon jetzt die Pfeiler und Rampen, auf denen einmal die U-Bahn hoch über der Straße fahren wird. Mit dieser Verbindung in die Stadt, geschätzte 15 Minuten bis zum Stephansplatz, hofft man auch, dass sich viele zum Umstieg vom Auto auf Öffis bewegen lassen. Der Verkehrshölle Wagramer Straße täte Entlastung gut. (DER STANDARD, Printausgabe 29.07.2003)

Von Andrea Waldbrunner
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