Keine Einigung im Schlichtungstreffen über VW-Besetzung

Redaktion, 4. August 2003, 06:57

Räumung des Grundstücks bereits angeordnet - Protestmarsch der Besetzer - Aufruf an Lula

Rio de Janeiro - Tausende von Obdachlosen, die in Brasilien seit neun Tagen ein Volkswagen-Gelände besetzt halten, sind nach einem gescheitertem Schlichtungstreffen zum Rathaus von Sao Bernardo im Bundesstaat Sao Paulo marschiert. Die Männer, Frauen und Kinder errichteten am Montag ein Lager vor dem Rathaus und forderten ein Gespräch mit dem Bürgermeister. Sie hoffen auf eine Übereignung des seit zehn Jahren brach liegenden Grundstücks, damit sie dort Häuser errichten können.

Der Konflikt hatte sich am Montag zugespitzt, als ein Schlichtungstreffen von vermittelnden Parlamentariern mit Vertretern der Obdachlosen, des Autoherstellers, der Bundespolizei, der Staatsanwaltschaft und der Stadt nach etwa einer Stunde ergebnislos abgebrochen worden war. Ein Richter hatte bereits am vergangenen Donnerstag die Räumung des Grundstücks angeordnet.

PT-Präsident fordert friedliche Lösung

"Wir werden den Beschluss notfalls energisch durchsetzen", warnte Sao Paulos Landesgouverneur Geraldo Alckmin. Doch der Präsident der in Brasilia regierenden "Partei der Arbeiter" (PT), Jose Genoino, erklärte, man müsse alle Konflikte friedlich regeln.

Am Sonntag hatten die rund 4.000 Obdachlosen-Familien auf dem 170.000 Quadratmeter großen VW-Gelände auf einer Versammlung einen Aufruf an Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva beschlossen. Man wolle dem früheren Dreher und Gewerkschafter Lula einen Brief mit der Bitte um Intervention überreichen, hieß es. "Wenn wir von dem Gelände vertrieben werden, müssen die Behörden wissen, dass wir dann in das Rathaus oder den Gouverneurspalast einziehen werden", warnte ein Sprecher der "Bewegung der Obdachlosen Arbeiter" .

Die "Bewegung der Obdachlosen" will nach eigenen Angaben nicht nur brach liegende Grundstücke und leere Häuser besetzen, sondern "eine städtische Reform vorantreiben" und "Sozialismus verwirklichen". (APA/dpa)

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