Räumung des Grundstücks bereits angeordnet - Protestmarsch der Besetzer - Aufruf an Lula
Rio de Janeiro - Tausende von Obdachlosen, die in
Brasilien seit neun Tagen ein Volkswagen-Gelände besetzt halten, sind
nach einem gescheitertem Schlichtungstreffen zum Rathaus von Sao
Bernardo im Bundesstaat Sao Paulo marschiert. Die Männer, Frauen und
Kinder errichteten am Montag ein Lager vor dem Rathaus und forderten
ein Gespräch mit dem Bürgermeister. Sie hoffen auf eine Übereignung
des seit zehn Jahren brach liegenden Grundstücks, damit sie dort
Häuser errichten können.
Der Konflikt hatte sich am Montag zugespitzt, als ein
Schlichtungstreffen von vermittelnden Parlamentariern mit Vertretern
der Obdachlosen, des Autoherstellers, der Bundespolizei, der
Staatsanwaltschaft und der Stadt nach etwa einer Stunde ergebnislos
abgebrochen worden war. Ein Richter hatte bereits am vergangenen
Donnerstag die Räumung des Grundstücks angeordnet.
PT-Präsident fordert friedliche Lösung
"Wir werden den Beschluss notfalls energisch durchsetzen", warnte
Sao Paulos Landesgouverneur Geraldo Alckmin. Doch der Präsident der
in Brasilia regierenden "Partei der Arbeiter" (PT), Jose Genoino,
erklärte, man müsse alle Konflikte friedlich regeln.
Am Sonntag hatten die rund 4.000 Obdachlosen-Familien auf dem
170.000 Quadratmeter großen VW-Gelände auf einer Versammlung einen
Aufruf an Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva beschlossen. Man
wolle dem früheren Dreher und Gewerkschafter Lula einen Brief mit der
Bitte um Intervention überreichen, hieß es. "Wenn wir von dem Gelände
vertrieben werden, müssen die Behörden wissen, dass wir dann in das
Rathaus oder den Gouverneurspalast einziehen werden", warnte ein
Sprecher der "Bewegung der Obdachlosen Arbeiter" .
Die "Bewegung der Obdachlosen" will nach eigenen Angaben nicht nur
brach liegende Grundstücke und leere Häuser besetzen, sondern "eine
städtische Reform vorantreiben" und "Sozialismus verwirklichen". (APA/dpa)