Italiener setzen Starbucks zu

3. August 2003, 20:38
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Während die Österreich-Expansion des mächtigen US-Kaffeehausgiganten Starbucks stockt, legt Segafredo zu - Wiens Betriebe bleiben gelassen

Wien - Seit Jahresbeginn hadert der US-Kaffeehausgigant Starbucks in Österreich mit internen Problemen. Nach Österreich-Manager Franz Holzschuh ist auch Rita Irniger, die ihm im März gefolgt war, zurückgetreten. Mit der Marinopoulos Gruppe, schon in Griechenland Partner von Starbucks, ist nun zumindest ein neuer Partner für ein 50:50- Joint-Venture gefunden. Im Mai ist der Schweizer Partner, die an Rewe verkaufte Bon-appétit-Gruppe, abhanden gekommen. Wann ein neuer Starbucks-Chef für Österreich und die Schweiz kommt, ist offen.

Weltweit auf Erfolgskurs

Ebenso, wie viele Filialen für Österreich mittelfristig eröffnet werden sollen. Eine Revision der ursprünglich ausgerufenen Strategie, pro Monat eine neue Filiale zu eröffnen, sei wegen der "Immobiliensituation" notwendig geworden, erklärt die für Österreich zuständige Starbucks-Marketingleiterin Renate Schmidt.

Weltweit ist Starbucks noch immer auf Erfolgskurs: Im dritten Quartal, das mit 29. Juni endete, stieg der Gewinn um 23 Prozent auf 68,4 Mio. Dollar (59,8 Mio. Euro).

Coffeesphop Company expansiver

Expansionsfreudiger gibt sich Reinhold Schärf, der 1999 - vor dem Markteintritt von Starbucks 2001 - die Coffeeshop Company gegründet hat. Fokus ist auch "coffee to go". In Österreich sucht Schärf Franchisenehmer. Außerdem nimmt er nach den 16 Bars auf amerikanischen Kreuzfahrtschiffen Kurs auf das Festland: In Miami soll noch heuer eine Filiale aufsperren.

Tchibo/Eduscho ist vor einigen Jahren ebenfalls auf den Zug des schnellen Kaffeetrinkens aufgesprungen, positioniert sich aber mit dem umfangreichen Non-Food-Angebot nicht als reines Kaffeehaus. Die andere Seite der in Österreich ansässigen Ketten ist geprägt von italienischen Marken wie Lavazza, Segafredo oder Testa Rossa. Zwar ist Kaffee dort das Kerngeschäft, darüber hinaus gehe es aber um die Vermittlung des italienischen Lebensgefühls, erklärt Silvia Schernthaner- Leitner, Marketingleiterin von Segafredo, die Philosophie der Italo-Sieder.

Franchisees gesucht

Ein Konzept, das offenbar gut ankommt: Alle Ketten wollen aufgrund guter Umsatzzahlen schnell expandieren, heißt es gegenüber dem STANDARD gegenüber zu den einschlägigen Plänen. Der Ausbau der Filialnetze wird ebenfalls mit Franchisepartnern vorangetrieben. Auch Reinhard Reitermeier will mit seinem Konzept "è tricaffè" so wachsen.

Gelassen reagiert Maximilian Platzer, Obmann der Fachgruppe Kaffeehäuser bei der Wirtschaftskammer, auf solche Expansionspläne. Im Kampf der Kulturen könne weder das italienische noch das amerikanische Konzept die traditionsreichen Wiener Kaffeehäuser gefährden. Starbucks hätte den klassischen Kaffees sogar einen "irrsinnigen Run" gebracht.

Weniger euphorisch zeigt sich Felix Prousek von Wiens traditionsreichster Kette, Aida, deren erste Filiale schon 1948 aufsperrte: "Die Konkurrenzverhältnisse lassen keine Expansion mehr zu." (Jasmin Bürger, DER STANDARD Print-Ausgabe, 29.7.2003)

  • Der Kampf ums Kaffee-Häferl geht weiter.
    foto: photodisc

    Der Kampf ums Kaffee-Häferl geht weiter.

  • Vormarsch der Kaffeesieder.
    grafik: der standard

    Vormarsch der Kaffeesieder.

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