"Viel Verunsicherung" im ORF

11. August 2003, 20:50
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Wie ist der neue Kollektivvertrag kostenneutral umzusetzen? - "Programmjustierungen" ob weniger Kapazität

Eine außertourliche Runde legen ORF-Führung und Zentralbetriebsrat am Dienstag ein. Thema: Wie ist der neue Kollektivvertrag kostenneutral umzusetzen? Gegen bisherige Pläne legten sich die Betriebsräte TV-Programm wie berichtet quer.

Verwaltungschef Wolfgang Buchner suchte Freitag Redakteursräte zu beruhigen. "Weiter viel Verunsicherung", konstatiert ein internes Papier dazu. Obwohl "so gut wie allen Bereichen" klar sei, welche freien Mitarbeiter zu welchen Konditionen angestellt werden, weil ihre bisherigen Dienstverhältnisse vor dem Arbeitsgericht nicht halten. Und wie viele gehen müssen.

118 befristet Beschäftigten wird ihr Vertrag nach jüngstem Verhandlungsstand nicht verlängert. Weitere 104 freie Mitarbeiter werden gekündigt. Die Landesstudios etwa verlieren mit 2004 112 Leute, 42 sind es im betriebsrätlich aufmüpfigen TV-Programm.

Nicht jeder der 222 betroffenen Freien lebt auch von der Anstalt. Das lässt sich anhand der Nutznießer der ORF-Pensionskassa nachvollziehen. Dafür braucht es regelmäßige Tätigkeit und zumindest 14.535 Euro Jahresverdienst. Das sind nach ORF-internen Aufstellungen 132 mit dem neuen Kollektivvertrag nicht verlängerte oder gekündigte Mitarbeiter. Ein Teil von ihnen wird weiter beschäftigt - als Mitarbeiter künftig ausgegliederter Bereiche wie des RadioKulturhauses.

"Es war recht heiß"

Ausgeschlossen hat Buchner Ausgliederungen in den Landesstudios und der Hörfunkdirektion, im TV gebe es Überlegungen für Teile des Kinderprogramms, "Schöner leben", Programmpromotion und Teletextuntertitel. Die Ausgliederung des Symphonieorchesters sei abgeblasen.

Die TV-Betriebsräte stoßen sich vor allem an der hohen Zahl befristeter Dienstverträge und an Einkommensverlusten durch Teilzeitjobs. Internetredakteuren droht zudem die Verwendungsgruppe zehn, Buchner sicherte Freitag für "höherwertige" Tätigkeiten tageweise Aufzahlungen zu. Einfache Redakteure haben meist Gruppe 13 von 18.

"Programmjustierungen"

Reichen die Kapazitäten mit den 1361 neuen Anstellungen nicht, soll das mit "Programmjustierungen ausgeglichen" werden, heißt es in dem internen Papier über die Aussprache mit Buchner.

Der neue Zentralbetriebsrat und Stiftungsrat der freien Mitarbeiter im ORF, Gottfried Graf (Studio Wien), sieht im Protest der TV-Betriebsräte die Hoffnung auf Nachbesserungen der Geschäftsführung. Nachsatz: "Es war offensichtlich recht heiß bei der Sitzung." Für heute prognostizieren zumindest die Meteorologen Abkühlung. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 29.7.2003)

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