Die Marke Real Madrid flopt in China

1. August 2003, 16:36
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Gastgeber bezeichnen Stars als "Blutsauger" - Zidane will 2005 bei Real seine Karriere beenden

Kunming/China - Die Sponsoren-Tournee von David Beckham löste vor rund vier Wochen im Fernen Osten eine Mega-Hysterie aus. Die PR-Tour von Real Madrid, des neuen Fußball-Vereins des Engländers, in Asien entwickelt sich hingegen zu einem Flop. Die "Königlichen" tappen nicht nur von einem Fettnäpfchen ins andere, sondern sie müssen auch enttäuscht feststellen, dass der Trikotverkauf weit hinter den Erwartungen liegt.

Kein Blick auf Stars

Die chinesischen Fans bekommen vom Starensemble bisher nicht viel zu sehen. Ein eigens für den spanischen Rekordmeister organisiertes Bankett in Kunming, in der südwestl-chinesischen Provinz Yunnan, verließen Beckham, Zidane und Co. bereits nach 15 Minuten. Ein öffentliches Training fiel aus, weil die Stars erst gar nicht erschienen waren. Selbst durch die Presse erfährt der Chinese nichts über die Madrilenen.

Keine Interviews

Die kickenden Protagonisten haben sich total abgeschottet und lehnen Interviews strikt ab. Der Generalsekretär des asiatischen Verbandes zeigte sich empört über das Verhalten der Gäste und bezeichnete die Spanier als "geldgierige Blutsauger". Die dreiwöchige Asien-Tour mit den Etappenorten Peking, Tokio, Hongkong und Bangkok bringt rund acht Millionen Euro in die Vereinskasse.

Trikotverkauf läuft nicht

Wesentlich mehr hatten sich die Madrilenen vom Trikotverkauf erhofft. Das Trainingslager sollte den spanischen Nobelverein im asiatischen Raum bekannter machen und den Verkauf von Fanartikeln ankurbeln. Nur hat der durchschnittliche Chinese keine große Lust, sich ein Original-Trikot um 60 Euro zu leisten, er legt sich - falls Real-Fan - lieber eine Fälschung um 10 Euro zu. Bei einem Bruttosozialprodukt pro Kopf von 700 Euro sollte sich die Verwunderung darüber bei den Madrilenen in Grenzen halten.

Beckham schoss Eigentor

Auch sportlich läuft es noch nicht ganz rund: David Beckham hat sein erstes Tor erzielt - ein Eigentor. Bei einem Trainingsspiel traf Beckham bei einem misslungenen Abwehrversuch ins Tor. Wie das spanische Sportblatt "Marca" am Montag berichtete, wäre Reals neuer Star vor Ärger am liebsten in der Erde versunken: "Der Pechvogel blieb mehrere Sekunden regungslos auf dem Rasen liegen. Dabei hat er wahrscheinlich an den Spott gedacht, der ihm nun in den britischen Boulevard-Blättern bevorstand."

Beckham mit lädiertem Knie

Der 35-Millionen-Euro-Einkauf hatte zuvor wegen einer angeblichen Knieverletzung bei den Real-Anhängern für Aufregung gesorgt. Reals Mannschaftsarzt Luis Serratosa beruhigte die Gemüter aber bald wieder: "Beckham ist nicht verletzt. Er leidet allenfalls an einer Überbelastung des Knies, weil er sich vor Beginn des Trainings auf eigene Faust fit gehalten hat."

Verständigungsschwierigkeiten

Beckham trat - abgesehen von seinem Eigentor - in den Trainingsspielen nur wenig in Erscheinung. Er scheint von der übrigen Mannschaft relativ isoliert zu sein, da er kein spanisch spricht. Am meisten Kontakt hat er zu seinem Landsmann Steve McManaman. Der Brasilianer Roberto Carlos berichtet über die Verständigungsschwierigkeiten mit Beckham: "Ich kann ein wenig Englisch. Aber wenn ich mit David spreche, versteht er mich nicht."

Zidane tritt 2005 zurück

Beckham-Kollege Zinedine Zidane wird 2005 zurücktreten. Der Spielgestalter des spanischen Meisters und der französischen Nationalmannschaft erklärte am Dienstag, dass er mit Ende seines Real-Vertrags in zwei Jahren von der Profi-Bühne abtreten wird. "Bis dahin werde ich so gut wie möglich weiterspielen. Aber danach werde ich mich in aller Ruhe verabschieden", erklärte der 31-Jährige.(APA/dpa)

  • Beckham beim Training mit Ronaldo. Dahinter - zum Drüberstreuen - Zinedine Zidane.

    Beckham beim Training mit Ronaldo. Dahinter - zum Drüberstreuen - Zinedine Zidane.

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