Telekom Austria stellt Minimum-Tarif ein

8. August 2003, 17:09
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Anschlüsse werden automatisch auf Standardtarif umgestellt - Eine Million Teilnehmer betroffen - Mobilfunker hoffen auf neue Kunden

Um eine "Kostenunterdeckung" zu vermeiden, wird der Minimumtarif mit 28. September 2003 eingestellt, dies meldet die Telekom Austria in einer Pressemitteilung. Alle anderen Tarifoptionen bleiben unverändert erhalten. Betroffen sind nach Branchenschätzungen mehr als eine Million Teilnehmer.

Vermehrte Inanspruchnahme durch Preselection-Kunden

"Dieser Schritt, den Telekom Austria so lange wie möglich hinausgezögert hat, wurde vor allem durch die vermehrte Inanspruchnahme des Minimumtarifs durch Preselection-Kunden notwendig. Die Regulierungsbehörde hat die beabsichtigte Änderung geprüft und per Bescheid genehmigt. Mit der Einstellung des Tarifs werden alle Anschlüsse im Minimumtarif automatisch auf den Standardtarif umgestellt", so die Aussendung weiter.

Profitieren von der Umstellung

"Rund 220.000 Kunden mit Minimumtarif erhalten eine Zuschussleistung zu ihrem Fernsprechentgelt. Mit der Einstellung des Minimumtarifs ändert sich für diese Kunden an der von Telekom Austria erbrachten Leistung nichts. Zuschusskunden können auch nach der Umstellung in den Standardtarif ohne Grundentgelt 1 Stunde tagsüber (Montag bis Freitag 08.00-18.00 Uhr) in der 50-km-Zone telefonieren oder sich wie bisher diesen Gegenwert vom Tarif ihrer Wahl von der Rechnung abziehen lassen. Darüber hinaus kommen sie zusätzlich zum Fernsprechentgelt-Zuschuss nun auch in den Genuss der niedrigeren Verbindungsentgelte im Standardtarif", so die positive Mitteilung von Seiten der Telekom.

Günstigere Gesprächsentgelte

Die Telekom Austria sieht aber noch weitere Vorteile für die Kunden durch den Wegfall des Minimum-Tarifs: Bei einem monatlichen Grundentgelt beim Standardtarif von 17,44 Euro wären einerseits die Verbindungsentgelte um bis zu 6 Prozent günstiger als im Minimumtarif und auch alle Breitbandprodukte wären mit dem Standardtarif beliebig kombinierbar.

Die Dilemma mit dem Festnetz

Problematisch wird es allerdings für ältere Menschen mit geringer Pension, die den Minimum-Tarif hatten, selbst aber nicht telefonierten, sondern auf dem Festnetzanschluss für Verwandte erreichbar waren und diesen als Notfall-Telefon nutzten. Sofern diese nicht unter den Kunden mit Zuschussleistung waren, müssen sie nun zwangsweise mehr zahlen. Auch Kunden, die mittlerweile hauptsächlich das Mobiltelefon benutzten und dennoch einen Festnetzanschluss brauchten oder wollten – da etwa sonst keine Internetverbindungen möglich sind – werden nun zur Kasse gebeten.

VAT zeigt sich überrascht

Der Verband alternativer Telekom-Netzbetreiber (VAT) zeigte sich von der Entscheidung "überrascht". In das Genehmigungsverfahren sei man nicht eingebunden gewesen. Für alle Kunden, die einen alternativen Telefonanbieter (via Call by Call oder Carrier Preselection) nutzten, bedeute der Schritt der TA eine deutliche Mehrbelastung, kritisierte der stellvertretende VAT-Geschäftsführer Jan Engelberger.

Proteste

Beim größten privaten Konkurrenten der Telekom Austria (TA), der UTA, stoßen die Pläne der TA zur Streichung des Minimumtarifs auf heftige Proteste. UTA-Sprecher Martin Halama sprach von einem "Angriff auf das gesamte alternative Marktsegment". "Das ist eine reine Preiserhöhung ohne Leistungserweiterung. Die Preise werden dort angehoben, wo die TA keine Konkurrenz hat – nämlich bei der Grundgebühr", kritisierte Halama.

Kritik übt die UTA dabei auch an der Entscheidung des Telekom-Regulators. "Das Argument der Kostendeckung scheint uns nicht ganz nachvollziehbar", meint man bei der UTA, und weiter: Wenn der Tarif bisher nicht kostendeckend gewesen sei, müsse man sich fragen, wo er bisher genehmigt war. Zudem seien nach dieser Entscheidung auch andere Tarife der TA in Frage zu stellen wie etwa das Gebührenmodell "TickTack privat", bei dem die Grundgebühr mit 15,98 Euro zwar leicht über jener des Minimumtarifs (14,38 Euro) liege, der aber dafür zusätzlich eine Stunde Gratis-Telefonie beinhalte, betont die UTA.

Erfreut

Erfreut zeigt man sich hingegen im Mobilfunk. Michael Krammer, Marketingchef des viertgrößten heimischen Mobilfunkanbieters tele.ring, rechnet damit, dass nach der Abschaffung des Minimumtarifs noch mehr Kunden komplett aufs Festnetz verzichten werden. "Der Trend zum Abmelden des Festnetzanschlusses wird sich dadurch sicher noch deutlich beschleunigen", sagte Krammer.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zur Umstellung gibt es unter der kostenlosen Telekom Austria Hotline 0800 100 160. Kunden im Minimumtarif werden über die Umstellung auf den Standardtarif mit einem Schreiben, das der nächsten Telekom Austria Rechnung beigelegt wird, informiert.(red/APA)

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