"No Ma'am" gelebt

12. August 2003, 12:07
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Im Baumarkt als Frau: Eine Userinnen-Zitrone über die Odysee bei (alles in ...) OBI

Ich wollte im Garten ein Mosaik legen. Nicht mit den konventionellen, vorgefertigten Steinen, sondern eine Art römisches, das mit ungleich großen, unregelmäßig gebrochenen Fliesen gemacht wird.

Beim OBI erkundige ich mich, ob ich da was beachten muss.
Antwort: "Wenn Sie sich als Frau so was antun wollen..."
Aufgeklärt wurde ich auch nicht ausführlich. Denn als das Mosaik fertig war (ja, 5 Quadratmeter hab ich als Frau geschafft), dachte ich mir, ich hätte gerne eine Art Schutzschicht über die Teile, damit sich meine Kinder nicht weh tun können, wenn sie barfuß laufen. Meine Idee war, das ganze mit Kunstharz zu überziehen. Also auf zum OBI und nachgefragt, wo das Zeug denn zu finden wäre.

Frage des Mitarbeiters: "Za wos wollen's denn des?". Ich beschrieb ihm meinen Plan.
Er: "Des kann a nua ana Frau einfolln. Des z'reissts Ehna jo!"
Ich wies ihn darauf hin, dass ich mich vor Beginn der Arbeiten bereits in diesem Geschäft genau erkundigt hatte, worauf ich bei der Fliesen-zertrümmer-Mosaik-Methode achten müsse. Und daß mir eben niemand was von scharfen Kanten gesagt habe.
Er: "Jo, des is hoit so. Des kann ah nua ana Frau einfoll'n, daß ma de Kantn vurm Verlegen net oschleift!"
Ich: "Was hat das mit Frau zu tun?"
Er: "Des is so!"

Ich ließ ihn stehen, was er wiederum als sehr unfreundlich empfand. Jedenfalls meinte er lautstark: "Eh kloa, unfreundlich sind de Weiba ah!"

Das war der erste Grund. Heute versuchte ich es nochmals: ich suche Dübel (ja, Frau kann auch bohren). Leider sind die gewünschten Dübel nicht zu finden. Ich gehe zu einem Berater, frage, ob es Dübel in der gewünschten Dimension gibt.
Rückfrage: "Was tut denn eine Frau mit Dübeln?"
Aus einem (offensichtlich für den "Berater" nicht erkennbaren) Grund reichte es mir und ich antwortete ihm: "Sie ins Diätjoghurt mischen und dann das ganze in Strapsen essen!" Er wunderte sich sichtbar.

Ein paar Minuten später an der Holzzuschnittabteilung. Ich warte, bis der Berater mir 20 Meter von der Umleimkante abmisst. Hinter mir warten einige Männer. Plötzlich der Holzzuschneider: "Ich finde das toll, wenn Frauen auch arbeiten wollen!"
Während ich mich gerade noch von meiner Verwunderung über dieses mittelalterliche Weltbild erhole, ertönt der Kommentar eines weißen Socken in Sandalen tragenden Kugelbauches hinter mir: "Also, ich fin das nur sexy. Die ham dann ja immer so wenig an und schwitzen dann ja auch. Und das schaut schon geil aus!"
Ich war kurz davor, ihn mit meinem Umleimkantenband zu erdrosseln.

Wieder kurz später: Ich stehe vor der Nachfüllpackung für Heißklebepistolen.
Der Berater kommt: "Kann ich Ihnen helfen?"
Ich: "Danke, nein, ich kenne mich schon aus!"
Ich nehme eine Packung und er fragt:
"Soll ich Ihnen nicht doch erklären, wie man das einfüllt?
Ich: "Nein, ich sagte, ich kenne mich aus!"
Er: "Ja, wissen sie, Frauen sind meist etwas hilflos hier wegen der unterschiedlichen Modelle und kennen sich bei solchen Dingen nicht aus!"

Jaaaaa. So ist das beim OBI. Dafür gibt es aber in der Frauenabteilung auch schöne Kochtöpfe und Schneidebretter.
Warum ich dort noch einkaufe? weil ich bei anderen noch mehr eingefahren bin. Z.B. bei einem guten, alten Einzelhändler in der Hütteldorferstraße: Dort lässt man die Frauen nicht nur warten mit der wörtlichen Begründung: "Das ist ein Männerladen, da kommen die Männer auch schneller dran!", sondern zeigt auch schon ganz klar an der Eingangstüre, welch geistiges Niveau man hier erwarten kann: Al Bundy lässt grüßen - es prangt hier ganz groß das Schild: NO MA'AM!.

Von Yvonne Stockhammer.

28.07.2003

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