Kein Storchenjahr

3. August 2003, 19:09
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Nach verspäteter Ankunft in Österreich ließen viele Paare das Brüten sein

Eisenstadt - Das Jahr 2003 ist kein gutes Storchenjahr. Das zeigte sich bereits im Frühling: Zunächst kam Meister Adebar mit Verspätung an. Manche Storchenpaare erreichten mit so viel Verspätung ihr Sommerquartier, dass sie gar nicht mehr mit der Brut begannen. Für die Wissenschafter ist dieses schlechte Storchenjahr aber noch keine Katastrophe. "Es kommt immer wieder vor, dass so etwas passiert", weiß Dr. Alfred Grüll von der Biologischen Station im burgenländischen Illmitz.

Störche, die zu spät im Sommerquartier im Burgenland eintreffen, verbringen hier zwar die warme Jahreszeit, sie brüten aber nicht mehr. Es scheint ihnen zu riskant für die Jungvögel zu sein. Instinktiv dürften diese eleganten Schreitvögel spüren, dass der Nachwuchs nicht mehr kräftig genug wird, um die 10.000 km lange Strecke ins afrikanische Winterquartier zurücklegen zu können.

Beobachtung

Intensiv beobachtet, untersucht und gezählt werden die Weißstörche seit Jahrzehnten in der Freistadt Rust sowie in Illmitz. So wurden in Rust heuer nur acht Brutpaare mit zwölf Jungtieren und in Illmitz drei Brutpaare mit zehn Jungen registriert. Zwei weitere Storchenpaare in Illmitz hatten Eier im Nest, brüteten sie aber nicht aus - sie waren zu spät angekommen.

Weltweit gilt der Weißstorch (Ciconia ciconia) nach wie vor als vom Aussterben bedroht. Er steht auf der roten Liste der gefährdeten Arten. In Österreich gibt es nur noch einige hundert Tiere.

Brutverhalten

Ins Burgenland kommen die Störche Ende März, Anfang April. In der Regel besetzt das Männchen einige Tage vor der Ankunft des Weibchens das Nest des Vorjahres. Gebrütet wird vor allem auf Schornsteinen, aber auch auf Telegrafenmasten. Bis zu vier Eier liegen im Nest, manchmal auch nur ein Ei. Beide Altvögel wechseln sich bei Brüten und bei der Aufzucht der Jungen ab.

Störche sind keine Nahrungsspezialisten, sondern fressen die tierische Nahrung, die sie finden, mitunter auch Aas. Eine Storchenfamilie braucht zum Überleben 20.000 m2 Feuchtwiesen; pro Tag benötigt eine Klapperstorch-Familie vier bis sechs Kilogramm Futter.

Abflug

Im Alter von zwei Monaten sind die Jungstörche bereits so groß, dass sie fliegen können. Ab diesem Zeitpunkt begleiten sie die Altvögel bei der Futtersuche. Erkennbar sind die Jungtiere an ihrem schwarzen Schnabel, bei Altstörchen zeigt er sich orangefarben.

Ende August verlassen die Störche ihr Sommerquartier, um ins südliche Afrika zu fliegen. Sie brauchen drei Monate dafür. Im Frühjahr, wenn sie wieder nach Österreich kommen, geht es schneller: Die Anreise nimmt nur zwei Monate in Anspruch. (APA)

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