Pressestimmen zum "Jedermann"

12. August 2003, 14:10
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Im "knitteligen Hofmannsthalschen Moralreigen" ändere sich "halt nicht viel" - Mit Links zu den Originalrezensionen

Salzburg/Wien

Im "knitteligen Hofmannsthalschen Moralreigen" ändere sich "halt nicht viel", heißt es in der Premierenkritik der Süddeutschen Zeitung. Gegenüber 2002 haben sich bei der Wiederaufnahme "in erster Linie zwei Besetzungen geändert". Peter Fitz sei als "energischer, erdnaher" Herrgott "eine erfreuliche Neuerung". "Mit einer seltsamen Art aufgestauter Wut drängt Peter Fitz auf die Umkehr Jedermanns", so Kritiker Alexander Menden. Die zweite Besetzungsänderung gegenüber dem Vorjahr, Ulli Maier als Glaube, trage im "leicht fiebrig-verkrampften Duktus des fröhlichen Kirchentags-Christen" vor. "Doch bei aller Farbstärke, bei allem redlichen Gefiedel und Geknalle hat es der 'Jedermann' nach wie vor schwer, sich szenisch und darstellerisch durchzusetzen gegen die Starrheit der Barockfassade Santino Solaris und das annähernd ebenso starre Salzburger (Premieren-)Publikum".

Unter dem Titel "Die Totenmogelpackung" diagnostiziert Ronald Pohl im "Standard" bei Stückls Inszenierung "Züge einer zum Äußersten entschlossenen Halbherzigkeit". Die Inszenierung gebe "vor der Schmockerei aus Hofmannsthals spätkatholischer Dramenanstalt" "klein und versagensängstlich" bei. Peter Simonischek wirke "von Anfang an gereizt". "Jedermann" könne, "seiner endlichen Grablegung zum Trotz, nicht zur ewigen Ruhe kommen". "Derweil muss man mit Stückls Reform eben irgendwie vorlieb nehmen".

"Entschlackt, dennoch üppig", findet Barbara Petsch in der "Presse" Stückls "Jedermann"-Inszenierung. Diese habe dem Hofmannsthal-Stück "die Zukunft gerettet, auf vordergründig einfache Weise, in dem er es ernst nahm, aber nicht zu ernst". Die technisch perfekte Aufführung strahle "inspirierten Handwerkergeist" und "Liebe fürs Detail" aus. Die Doppelbesetzung des Guten Gesellen und des Teufels mit Tobias Moretti "geht nicht recht auf". Auch sei "die frühere Stimme aus dem Dom überzeugender" gewesen als die nunmehr gezeigte Materialisierung Gottes als Rabbi mit Christi Wundmalen an den Händen.

Es sei Stückl "nachdrücklich gelungen", die "Schwächen der im Vorjahr nicht ganz fertig wirkenden Arbeit" zu verbessern, heißt es im "Kurier". Die Darstellungen wirken heuer "verfeinert, glaubwürdiger, menschlicher". Maier verzichte auf jedes Händeringen und verleihe der vielleicht schwierigsten Figur des Stückes, dem Glauben, "berührende Hantigkeit". Hauptdarsteller Peter Simonischek lege diesmal die Läuterung des reichen, hartherzigen Mannes inniger an: "Der aktuelle 'Jedermann' wirkt weniger wie ein zynischer Opportunist als ehrlich erschüttert", so Guido Tartarotti.

Auch in den "Oberösterreichischen Nachrichten" werden die Adaptionen der Inszenierung gegenüber dem Vorjahr gelobt. Stückls "Jedermann" "ist schärfer, ungenierter, kraft- und lustvoller geworden", schreibt Franz Schwabeneder in seiner Kritik. Das habe vor allem Simonischeks Spiel wohl getan. "Jetzt ist er in seiner schönen Männlichkeit der sprühende, impulsive, brutale Kapitalist und letztlich scheiternde Machtmensch geworden; eine erstklassige psychologische Schärfung der heiklen Figur". "Überragend in seiner unerbittlichen Bühnenpräsenz" sei Jens Harzer als Tod.

Für die "Salzburger Nachrichten" bestätigt sich in diesem Jahr, dass Peter Simonischek "wegen seiner Bühnenpräsenz und wegen seiner klar dominierenden Figur einer der besten Jedermänner ist, die es je gab". Auch Veronica Ferres hole aus der Rolle der Buhlschaft, "was nur daraus zu holen ist". "Von der erotischen Ausstrahlung ist nicht nur die Rede, sie wird mit Nachdruck demonstriert". Stückl verspiele jedoch mit der "langwierigen Diskussion", die der Tod mit Jedermann in der zentralen Szene des Stücks beginnt, einen "Gutteil der Wirkung". Der volksstückartige Zugriff" Stückls überzeuge jedoch, man "muss ihm dankbar sein, dass er alles Tändelnde und Manierierte strikt vermeidet". (APA)

Links

  • Süddeutsche Zeitung:
    Knistern unter der Perrücke
  • STANDARD:
    "Die Totenmogelpackung"
  • Presse:
    Merk dir, Gott ist überall
  • Kurier:
  • Kein Bekehrungskitsch

  • Oberösterreichische Nachrichten:
  • Ein Volksstück über den zärtlichen Tod

  • Salzburger Nachrichten:
    Tod nach Dunkelwerden
    • Bild nicht mehr verfügbar
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