Mugabes Machthunger ist auch mit 89 Jahren ungestillt

4. August 2013, 18:56
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Siebente Amtszeit für Simbabwes Langzeit-Herrscher

Harare - Robert Mugabe hat einst erklärt, er werde Simbabwe bis zu seinem 100. Geburtstag regieren. Seit seinem am Samstag offiziell verkündeten Wahlsieg ist der 89-jährige Machthaber diesem Ziel einen Schritt näher gekommen. Für die verarmte Bevölkerung ist das kein Grund zur Freude, für seinen langjährigen Herausforderer Morgan Tsvangirai könnte es der politische K.O.-Schlag sein. Für den Westen ist Mugabe längst zum Paria geworden. Doch seine Machtposition ist ungefährdet.

Vor der Wahl am Mittwoch gab es Hoffnung, der moderate Tsvangirai könne Mugabe entthronen. Schließlich hatte der Greis kurz vor der Abstimmung erstmals erklärt, er würde eine Niederlage akzeptieren. Die Worte kamen ihm nur über die Lippen, weil er sich seines Triumphs schon sicher war. Zwar will Tsvangirai die Wahl anfechten. Südafrikas Präsident Jacob Zuma aber gratulierte Mugabe zum Sieg in der "gelungenen" Wahl. In Simbabwes Nachbarländern gilt er als Stabilitätsgarant.

Und für die meisten seiner Landsleute ist Mugabe immer noch der Freiheitskämpfer, der das einstige Rhodesien vor mehr als drei Jahrzehnten von der britischen Kolonialherrschaft befreite. Bei seinen Auftritten mangelt es nie an Tiraden gegen die westlichen Gegner, allen voran die Briten. Stimmung sammelt Mugabe auch mit Verunglimpfungen gegen Schwule, die seien "schlimmer als Schweine und Hunde". Selbst Nelson Mandela ist vor seinem Spott nicht sicher, weil der "wie ein Heiliger" mit der weißen Bevölkerung seines Landes umgegangen sei.

So stilisiert sich Mugabe als Verkörperung des Nationalstolzes. In seinen ersten Jahren als mächtiger Mann in Harare gab es Grund zum Stolz. Der einstige Musterschüler, der ab dem zehnten Lebensjahr ohne seinen Vater aufwuchs und sich zum Lehrer ausbilden ließ, verwandelte Rhodesien in ein wirtschaftlich und gesellschaftlich vorwärts gewandtes Simbabwe.

Wegen subversiver Umtriebe war er bis Mitte der 1970er Jahre in Haft gesessen. Das Gefängnis verließ er als Chef seiner ZANU-Partei. Die Wahl 1980 gewann er mit einem sozialistisch geprägten Programm - und setzte vieles in Bewegung. Die Lebenserwartung stieg dank eines verbesserten Gesundheitswesens von 56 auf 64 Jahre, die Kindersterblichkeit sank. Auch Simbabwes Bildungssystem wurde im Ausland hochgelobt. Für ausländische Investoren war das südafrikanische Land attraktiv.

Dann aber trieb Mugabe sein Land in den Ruin. Einen Tiefpunkt markierte die Landreform aus dem Jahr 2000, die zur oft gewaltsamen Enteignung tausender weißer Farmer führte. Mugabe ließ sie vertreiben und ihr Land an schwarze Landsleute verteilen, die damit auf Anhieb oft nicht zu wirtschaften wussten.

Oppositionelle verfolgte er gnadenlos und schaute zu, wie sein Land verarmte. Eine atemraubende Inflationsrate, eine Massenabwanderung ausgebildeter Fachkräfte nach Südafrika waren die Folge. Aus dem einstigen Brotkorb der Region wurde ein Bittsteller, ausländische Sanktionen verschlimmerten die Lage.

Schon 2008 hatte es kurz ausgesehen, als könne Mugabes Zeit als Staatschef zu Ende sein. Nach der ersten Wahlrunde lag damals Tsvangirai klar vorne. Dann wurden dessen Anhänger mit einer blutigen Welle der Gewalt überzogen, Tsvangirai zog die Kandidatur zurück.

Damals wollten die Nachbarstaaten Mugabes Treiben nicht hinnehmen, erzwangen auch aus Angst vor einem Bürgerkrieg ein Machtarrangement, bei dem Tsvangirai zum Regierungschef wurde. Das Patt verschaffte dem Land immerhin eine Verschnaufpause.

Mit der siebenten Amtszeit Mugabes fürchten Beobachter die Rückkehr einer radikalen Politik, mit der er die Loyalität der Massen und der Sicherheitskräfte zu sichern suche. Dass er doch irgendwann die Lust am Herrschen verliert, dafür gibt es keine Anzeichen. "Die 89 Jahre bedeuten gar nichts", sagte er kürzlich der "New York Times". "Ich habe immer noch Ideen. Ideen, die von meinem Volk akzeptiert werden müssen." (APA, 4.8.2013)

 

  • Robert Mugabe bei einer Pressekonferenz Ende Juli.
    foto: (ap photo/tsvangirayi mukwazhi

    Robert Mugabe bei einer Pressekonferenz Ende Juli.

  • Tsvangirai will das Ergebnis anfechten.
    foto: reuters/siphiwe sibeko

    Tsvangirai will das Ergebnis anfechten.

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