Opernsehnsüchte eines Einsamen

Premiere von Wagners Meistersinger im großen Festspielhaus

Salzburg – Auch die Festspiele kommen im Wagner-Jahr am Jubilar nicht vorbei. Wagnerianer reisen womöglich direkt nach dem neuen "Ring" aus Bayreuth zu den "Meistersingern" an, um mit Stefan Herheim einen Bekannten zu treffen.

Auch Salzburgern ist der Regisseur in guter Erinnerung. Hier hat er mit seiner überoriginellen Version von Mozarts "Entführung" für einen Skandal gesorgt.

Seine "Meistersinger" führen in das biedermeierliche 19. Jahrhundert, und Herheim ist der gewohnt präzise und überraschende Figurenlenker, der einen von Schaffensideen überwältigten, einsamen Hans Sachs zeigt.

Michael Volle ist als Hans Sachs von starker Präsenz, Roberto Sacca gibt einen etwas vibratoseligen Walther von Stolzing. Blass singt Anna Gabler als Eva, glänzend wirkt Markus Werba als gestreng-lächerlicher Beckmesser.

Dirigent Daniele Gatti animiert die Wiener Philharmoniker zu süffiger, zu Beginn etwas schwammiger Klangpracht, die später zu eleganteren Konturen findet.

Herzlicher Applaus für die Musiker, der originelle Regisseur wurde ebenfalls gefeiert. (tos, DER STANDARD, 3./4.8.2013)

Mehr zum Thema:
Stefan Herheim: "Das Musiktheater ist mein Tempel"
Zur "Meistersinger"-Premiere: Regisseur Herheim über Wagner, Mozart, Staubwischen und Nullstellung

Share if you care