"Conjuring – Die Heimsuchung": Im Haus der tausend Geister

2. August 2013, 17:58
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James Wans Horrorfilm "Conjuring – Die Heimsuchung" ist in den USA der Überraschungshit des Sommers: In einem Spukhaus entzündet sich ein Feuerwerk der Thrills

Wien – Versteckspielen birgt Tücken, wenn einer der Mitwirkenden unsichtbar bleibt. Carolyn (Lili Taylor), Mutter von vier Töchtern, schreitet mit verbundenen Augen tapsig durch die Gänge des neuen, verwinkelten Heims in Rhode Island. Das Kind soll per Händeklatschen einen Hinweis darauf liefern, in welchem der vielen Zimmer es sich verkrochen hat. Doch als sich Carolyn der Tochter schon ganz nahe glaubt, ist nichts zu sehen. Der Schrank scheint leer.

Unheimliche Vorkommnisse wie dieses sind in James Wans Conjuring – Die Heimsuchung erst der Anfang eines noch viel schauderhafteren Geistertreibens. Die Uhren bleiben alle zur selben Zeit stehen. Die Mädchen erwachen in der Nacht, weil ihnen jemand an die Füße zu fassen scheint. Familienbilder purzeln von den Wänden, ekelhafter Verwesungsgeruch breitet sich im Haus aus. Wan operiert, ganz effektsicherer Horrorregisseur (er hat u. a. den ersten Teil von Saw verantwortet), unüblich lange mit einer Suspense, die kein Bild des immateriellen Feindes benötigt. Kleine Verzögerungen, harte Schnitte tun es auch.

Nicht nur darin wirkt der diesjährige Überraschungshit an den US-Kinokassen – der Film hat bei einem Budget von 13 Mio. Dollar bereits circa 90 Mio. eingespielt – nachgerade altmodisch. Im Jahr 1971 angesetzt, nach einer wahren Begebenheit, nimmt der Film nicht nur in den kunstvoll ausgeblichenen Farben an dem Genrekino dieser Ära Maß. William Friedkins immer noch unübertroffener Schocker The Exorcist (1973) ist ein offensichtlicher Verwandter – im Vergleich zu diesem geht Wan, der über filmhistorische Vorbilder bestens Bescheid weiß, pragmatisch vor: Warum allzu viel Neues auftischen, wenn das Alte (für eine nachrückende Generation) noch immer funktioniert?

Ein Novum, das an das Personal von TV-Serien erinnert, gibt es allerdings doch. Denn Carolyn, ihr Mann Roger (Ron Livingston) und die Mädchen müssen sich in dem verwunschenen Haus nicht allein zurechtfinden. Die "Dämonologen" bzw. Geisterjäger Ed und Lorraine Warren (Patrick Wilson und Vera Farmiga) – sie haben reale Vorbilder und u. a. den berühmten Amityville-Fall untersucht -, ein tiefreligiöses und in seinem konservativ-steifen Habitus latent komisches Paar, errichten im Haus eine multimediale Station. Sie wollen von den Geistern ein fotografisches Abbild bekommen.

Das Nebeneinander dieses Settings zu den sich sukzessive verstärkenden Schock- und Schaudermomenten macht noch einmal deutlich, wie fruchtbar diese Allianz aus Film und Übersinnlichem von jeher war. Im letzten Drittel von Conjuring meint es Wan ein wenig zu gut mit den Attraktionen: Die Verdammten steigen sich in dem Haus fast auf die Füße, was dem Grusel etwas von seiner Wirksamkeit nimmt. Man kann das allerdings auch als Horror-Entsprechung zum Gagfeuerwerk sehen: Hier ist für jeden ein Thrill dabei. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 3./4.8.2013)

  • Die Dämonen treiben nicht nur im Keller ihr böses Spiel: Vera Farmiga hat in James Wans Horrorfilm "Conjuring" als Geisterjägerin alle Hände voll zu tun.
    foto: warner bros / michael tackett

    Die Dämonen treiben nicht nur im Keller ihr böses Spiel: Vera Farmiga hat in James Wans Horrorfilm "Conjuring" als Geisterjägerin alle Hände voll zu tun.

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