Das Filmgeschäft ist nie normal

2. August 2013, 17:49
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Produzentin Lynda Obst hat zum Umbruch in Hollywood ein Buch geschrieben: "Sleepless in Hollywood. Tales from the New Abnormal in the Movie Business"

Lynda Obsts Bestandsaufnahme mit dem Titel Sleepless in Hollywood. Tales from the New Abnormal in the Movie Business erschien Anfang Juni. Der "summer of doom", der sich fürs US-Blockbustergeschäft seither abzeichnet, spielt darin folglich noch keine Rolle - dafür liefert das Buch umso mehr Einblicke in jene Veränderungen, die die US-Filmindustrie in den vergangenen zehn Jahren durchlaufen hat, die wachsende Abhängigkeit von "Tentpoles" inklusive.

Obsts eigene Hollywood-Laufbahn begann als Associate Producer bei Flashdance 1983. Erfolge feierte sie ab den 90er-Jahren vor allem mit romantischen Komödien: Sleepless in Seattle hallt noch im Titel ihres jüngsten Buches nach, später gelang ihr unter anderem mit How to Lose A Guy in 10 Days (2003) ein Kassenschlager für Paramount.

Diese Projekte datieren noch aus der Zeit des "old abnormal" - eine Anomalie ist Hollywood für Lynda Obst von Haus aus -, einer Zeit, als Produzenten und Autoren ihre (Original-)Stoffe bei Studioverantwortlichen pitchten und nicht von Marketingabteilungen empfohlene Superhelden, Romanserien und andere etablierte "Marken" die Leinwände dominierten.

Obst beschreibt die Entwicklung hin zu diesen "Tentpole"-Projekten, neben denen sich Studios inzwischen bevorzugt nur noch "Tadpoles", quasi Low-Budget-Filme, leisten. Eine Ursache sieht die Autorin darin, dass der DVD-Markt die in ihn gesetzten kommerziellen Erwartungen nur für kurze Zeit erfüllte. Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen habe man verstärkt aufs Auslandsgeschäft gesetzt.

Das Verhältnis von nationalen und internationalen Einnahmen gehe derzeit in Richtung 20 zu 80 und habe sich damit seit Obsts Anfängen exakt verkehrt. In Entwicklungsmärkten wie China aber boomen genau jene großen Kinospektakel in 3-D (noch), die das US-Publikum schon links liegenlässt (siehe den Rekordstart von Pacific Rim in China diese Woche).

Als - nach wie vor aktive - Produzentin ist die Autorin aber Pragmatikerin. Ihr Resümee fällt keineswegs pessimistisch aus, in Hollywood sei man immer schon anpassungsfähig gewesen:

So habe man sich dank Bridesmaids oder Twilight etwa ans kommerzielle Potenzial des weiblichen Publikums erinnert. Für Kreative eröffnen nicht nur TV-Serien neue Betätigungsfelder. Verleiher setzen statt auf Massenstarts wieder auf gestaffelte Auswertung. Die nächste Anomalie hat vielleicht schon begonnen.  (Isabella Reicher, DER STANDARD, 3./4.8.2013)

  • Informierte Bestandsaufnahme aus der ewigen Anomalie namens Hollywood: Produzentin und Autorin Obst über Krise, Ursachen, Folgen.
    foto: gene blevins/corbis

    Informierte Bestandsaufnahme aus der ewigen Anomalie namens Hollywood: Produzentin und Autorin Obst über Krise, Ursachen, Folgen.

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