Monsterdebakel im "Summer of Doom": Blockbuster-Kino in der Krise

2. August 2013, 17:42
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In Hollywood spricht man bereits von einem verhängnisvollen Sommer: Groß budgetierte Blockbuster bleiben finanziell hinter den Erwartungen zurück. Muss die US-Filmindustrie umdenken?

Ein eigentlich fast zu gemütlich klingender Begriff: "Tentpole" - wörtlich übersetzt: Zeltstange - nennt man in Hollywood jene Filme, die als Blockbuster so erfolgreich sind, dass sie ein Studio über einen längeren Zeitraum in der Gewinnzone halten. Sie gewähren, um beim gleichen Bild zu bleiben, ein Dach über dem Kopf: ein Franchise, das die Verwertbarkeit des Films auf andere Konsumartikel und künftige Sequels ausweitet, sowie ein Ausgleich für Flops.

Die Tentpoles des Kinosommers 2013 blieben allerdings bisher weitgehend aus - man spricht bereits von einem "Summer of Doom". Es wurden zwar so viele potenzielle Blockbuster wie noch nie zuvor lanciert, doch Woche für Woche machen an dem US-Box-Office kleiner budgetierte Filme wie die Adam-Sandler-Komödie Grown Ups 2, der Animationsfilm Despicable Me 2 oder der Horrorfilm Conjuring das Rennen - Letzterer läuft seit Freitag auch in heimischen Kinos (siehe die Kritik dazu).

Die Serie der Misserfolge ist lang: Das Will-Smith-Vehikel After Earth, Roland Emmerichs White House Down, der Johnny-Depp-Western The Lone Ranger, zuletzt das 200 Millionen-Dollar schwere Monster-Inferno Pacific Rim. Manche dieser Filme werden aufgrund internationaler Auswertung zwar in der Gewinnzone bleiben, doch insgesamt sind die Einnahmen bereits um 19 Prozent geringer als im Vorjahreszeitraum.

Hat sich Hollywoods Megalomanie totgelaufen? Die Warnungen werden jedenfalls lauter. Steven Soderbergh hat dem Kino frustriert den Rücken gekehrt, als kein Studio seinen Liberace-Film Behind the Candelabra produzieren wollte. Steven Spielberg und George Lucas, zwei nicht gerade für Minimalismus bekannte Regisseure, haben bereits im Juni kassandrahaft von einem "großen Zusammenbruch" gesprochen, sollte man von der Serie an hunderte Millionen verschlingenden Blockbustern nicht abrücken.

Doch ein kurzfristiger Kurswechsel ist unwahrscheinlich. Das Box Office ist nur ein Glied in einer umfassenden, längst global ausgerichteten Verwertungskette, in der China eine wichtige Rolle spielt, die mit der Digitalisierung erfolgte Umstellung der Kinos auf ein 3-D-Imax-Event ist wiederum nicht so schnell umkehrbar.

Statt einer Korrektur scheint eher eine Bündelung der Kräfte zu folgen - weniger Filme mit noch geringerem Risiko: Bei der Comic Con im Juli in Las Vegas, der größten Comicmesse, wurden entsprechende Ideen wie eine Superman-Batman-Union aus der Taufe gehoben. Pirates of the Caribbean 5, ein Avengers-Sequel und Independence Day 2 sind für 2015 schon im Kalender vermerkt.

Wenn Hollywood im Mittelfeld auslässt, wie Spielberg befürchtet, und Filme wie sein mit 220 Mio. Dollar sehr erfolgreiches Präsidentendrama Lincoln (Budget: 65 Mio.) nicht mehr realisiert, bedeutet dies, dass sich selbst massenkompatible Regisseure nach neuen Produktionsformen umsehen müssen. Dann behielte Soderbergh, der Behind the Candelabra mit dem Sender HBO produziert hat, mit seiner Prognose recht. Tatsächlich nutzen bereits renommierte US-Filmemacher wie Kathryn Bigelow, Paul Thomas Anderson oder David Gordon Green unabhängige Produktionsmittel.

Damit ist das Problem allerdings noch nicht gelöst. Hollywood dominiert - nicht nur am US-Markt - einen Großteil der Kinosäle. Doch auch hier machen sich bereits neue Initiativen bemerkbar. So hat etwa Open Roads, ein Konsortium von Verleihern, begonnen, mittelgroße Filme zu produzieren. Die Aussicht, dass sich manch ein Regisseur bald in einem neuen Zelt einrichten kann, stehen jedenfalls nicht ganz schlecht.    (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 3./4.8.2013)

  • Die Geister, die man rief, wird man nicht mehr los: Hollywood ging diesen Sommer mit mehr Monstern und Superhelden denn je an den Start - doch nur wenige der Arbeiten brachten die erhofften Gewinne ein.
    fotomontage: l. friesenbichler

    Die Geister, die man rief, wird man nicht mehr los: Hollywood ging diesen Sommer mit mehr Monstern und Superhelden denn je an den Start - doch nur wenige der Arbeiten brachten die erhofften Gewinne ein.

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