Immobilienbranche: Von Haien und Fischen

4. August 2013, 16:55
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Große Fonds, bekannte Namen wie Wlaschek und börsennotierte Gesellschaften: Die heimische Immobilienszene ist bunt. Ein Auszug über die Tätigkeit einiger Akteure

Wien - Seit Ausbruch der Finanzkrise und dem Zinstief strömt das Geld der Anleger in Immobilien. Die heimischen Immobilienfonds, meist Töchter der Banken, sind mit einem Volumen von fünf Milliarden Euro mittlerweile die größten Immobilienbesitzer des Landes. Abseits der Gemeinnützigen Bauträger und natürlich Karl Wlaschek. Der Billa-Gründer investiert seit dem Verkauf der Kette in hochwertige Immobilien, v. a. Palais in der City. Er macht das über seine Stiftungen. Wie überhaupt Privatstiftungen zu den großen Immobilieninvestoren im Lande zählen.

Zu den wirklich großen Playern gehören freilich der Verein der Wiener Städtischen Versicherung als Mehrheitseigentümer der Sozialbau und die Generali Versicherung, die vor allem in der Wiener Innenstadt einen großen Altbestand an Immobilien hat. Das ehemalige Schoeller-Schlössl in Grinzing samt Weinkeller, das dem früheren Generali-Chef Dietrich Karner als Bleibe diente, wurde (ungewöhnlich für Versicherungen) an die saudi-arabische Botschaft verkauft.

Benko und Haselsteiner

Zu den schillernden Investoren zählt René Benko mit seiner Signa-Holding. Er agiert mit dem Geld des griechischen Reeders George Economou und von Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. In der Wiener City wurde im Vorjahr mit der Eröffnung des Goldenen Quartiers eine Luxusmeile am Kohlmarkt geschaffen. Auch der Bau-Industrielle Hans-Peter Haselsteiner ist mit seiner Stiftung bei Benko engagiert.

Haselsteiner ist zudem Großaktionär bei Conwert. Der frühere Zinshausspezialist, von Günter Kerbler gegründet, hat allerdings die Strategie geändert und konzentriert sich auf Deutschland. Kerbler ist nach wie vor als Immo-Investor aktiv und kaufte etwa der Uniqa ihre Hotels ab.

Wohnen am Siemens-Areal

Abseits der im In- und Ausland tätigen Immofinanz findet bei der CA Immo eine Konzentration auf das operative Geschäft statt. "Zukäufe in der Größenordnung von 2010 und 2011 stehen für die nächsten Jahre nicht auf der Agenda", sagt deren Chef Bruno Ettenauer. Teil der Strategie ist es, große Assets wie etwa die Frankfurter Büroimmobilie Tower 185 abzustoßen.

Ettenauer: "Das sind Größenordnungen, die nicht mehr zu unserem Unternehmen passen. Auf dem Businessplan stehen stattdessen die Entwicklung eines 260.000 m² großen Mischareals am Berliner Hauptbahnhof sowie die rund 70.000 m² große Umnutzung eines ehemaligen Bahngrundstücks in München. In Österreich ist die Entwicklung des Siemens-Areals in Wien-Floridsdorf in der Pipeline. Der städtebauliche Wettbewerb ist bereits entschieden, ab 2014 soll das Mischnutzungsprojekt - mit Wohnen - realisiert werden.

Gschwandner-Sanierung

Überraschend ist die Entwicklung des auf Wohnen spezialisierten Wiener Immobilienentwicklers JP. Nach langer Zeit im hochwertigen Wohnsegment findet nun eine Erweiterung in Richtung Hotel und Gewerbe statt. Nach dem kürzlich eröffneten 25hours-Hotel in der Lerchenfelder Straße (Gesamtinvestition 30 Mio. Euro) folgt im Oktober die Eröffnung des Fünfsternehotels Guest House.

Interessant für Wien wird die Sanierung des historischen Etablissement Gschwandner in Hernals. Die bestehende Fläche soll von 2000 auf 4500 m² vergrößert werden. Die Fertigstellung des Zwölf-Millionen-Euro-Projekts, für das noch um eine 30-prozentige Beteiligung der Stadt Wien angesucht wird, ist für Anfang 2015 geplant.

Russische Oligarchin

Einen Fokus auf den Hotelmarkt hat auch die russische Oligarchin Elena Baturina. Die Frau des ehemaligen Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkov, die in Österreich bereits seit 2004 mit der Privatstiftung Saphros präsent ist, will das Kitzbüheler Hotel Grand Tirolia, das sich seit 2006 in ihrem Besitz befindet, ausbauen und vergrößern. "Eine Renovierung des Gebäudes ist nicht notwendig", sagt Baturina im Gespräch mit dem STANDARD. "Aber wir werden die Zimmerkapazität sukzessive erhöhen."

In der Wiener Innenstadt steht bereits der nächste große Deal bevor: Ein 130 Jahre altes historisches Palais mit 2500 m² soll verkauft werden. "Wir streben für diese Highlight-Immobilie einen mittleren zweistelligen Millionenbereich an", so Makler Eugen Otto. Am 17. August soll das Projekt publikgemacht werden. (Claudia Ruff, Wojciech Czaja, DER STANDARD, 3./4.8.2013)

  • Der CA Immo gehört die neue Zentrale von Mercedes Benz Vertrieb in Berlin.
    foto: ca immo

    Der CA Immo gehört die neue Zentrale von Mercedes Benz Vertrieb in Berlin.

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