"Vieles ist mir rätselhaft geblieben ..."

2. August 2013, 20:14
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Zu einer meditativ-literarischen Bilderreise entlang von buddhistischen Kulturorten in Japan lädt der niederländische Schriftsteller Cees Nootebohm

"Unter meinem rechten Auge ist alles schwarz, das Auge selbst fast verschwunden, als läge es tief in einem Krater, geflüchtet vor der Welt, vielleicht zuviel Himmel gesehen, Buddhas, Bodhisattvas, Jizos, Kannons mit all ihren Namen und Erscheinungsformen, ihren unzähligen Attributen, der Strahlung des Esoterischen und der dazugehörigen Haltung absoluter, fast unerträglicher Ruhe." Mit dieser Notiz startet Cees Nooteboom den Prolog seines während seiner Wallfahrt zu den 33 wichtigsten buddhistischen Tempeln Japans geführten epischen Reisetagebuchs.

Der Saigoku-Pilgerweg, der bedeutendste Japans, umfasst alle Tempel, die Kannon, der Göttin des Mitgefühls, geweiht sind. Einige von ihnen stehen in und um Kioto, andere liegen in teils unwegsamem Gebirge. Nur mit enormem physischem und psychisch-emotionalem Aufwand sind sie erreichbar. Mit seinem gewohnt sensiblen Blick für das Heilige wie auch das Profane erzählt der dieser Tage 80 Jahre alt Gewordene von seiner buddhistischen Religionserfahrung und von abseitigen Abenteuern mit der japanischen Alltagsrealität.

Gemeinsam mit der Fotografin Simone Sassen bewältigte Nooteboom die Pilgerreise, ohne den Anspruch, die Perspektiven zu synchronisieren. So entstanden sprachliche und visuelle Bilder, symbolbehaftet, im Wechsel der Jahreszeiten, mit Kirschblüten, Herbstlaub, Schnee. Kontemplative Beobachtungen von der Vergänglichkeit des Seins. Inspiriert, spirituell.

Nooteboom im Epilog: "Am Tag, als wir abreisen, ist das letzte Bild eines von unbeschreiblichem Weiß. Es hat wieder geschneit, überall sitzen die Heiligen ungerührt da. Fudo, der Feuergott, hat alles Bedrohliche verloren, Jizo hat einen weißen Bommel auf seiner roten Mütze, ich sehe eine Phalanx Seliger verkleidet als heilige Schneemänner, die weißen Dächer schweben wie Segel vor dem Himmel, aus dem immer noch Schnee fällt, in der Halle der Sutren schlummern die jahrhundertealten Schriften, die Toten lassen sich zudecken, es ist Zeit, zu gehen." (Gregor Auenhammer, Album, DER STANDARD, 3./4.8.2013)

 

  • Cees Nooteboom, "Saigoku - Auf Japans Pilgerweg der 33 Tempel". Fotografien von Simone Sassen. € 41,- / 200 Seiten. Schirmer/Mosel-Verlag, München 2013
    foto: schirmer/mosel

    Cees Nooteboom, "Saigoku - Auf Japans Pilgerweg der 33 Tempel". Fotografien von Simone Sassen. € 41,- / 200 Seiten. Schirmer/Mosel-Verlag, München 2013

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