"Kapital Frau" ist bei Personalberatern angekommen

Interview5. August 2013, 10:24
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Personalberater entdecken auch das Geschäft mit weiblichen "Humanressourcen" und sammeln qualifizierte Frauen

STANDARD: Vor einem Jahr ist Heiner Thorborg in Deutschland mit dem "female factor", einer Datenbank voller Frauen, die für Topführungspositionen und Aufsichtsjobs geeignet sind, in den Markt gegangen. Sie haben nun als erste Personalberaterin in Österreich eine Datenbank mit 240 solcher Frauen angelegt. Fünf Jahre Führungserfahrung und ein Gehaltsniveau 100.000 Euro plus sind Kriterien. Erwarten Sie da also ein Geschäft?

Lindlbauer: Natürlich. Sonst wäre ich ja eine schlechte Geschäftsfrau.

STANDARD: Wodurch? Es gehört zwar zum guten Ton, nach mehr Gender-Diversität an den Unternehmensspitzen zu rufen, aber an der Umsetzung, sprich an den konkreten Besetzungen, scheint's ja dann doch zu hapern ...

Lindlbauer: Ja, aus Bequemlichkeit, aus Angst vielleicht. Aber Frauen werden verstärkt in Topführungspositionen kommen, es ist ja schon im Gange. Und es wird und muss passieren. Ein Vorstand ohne Frauen ist nicht mehr zeitgemäß.

STANDARD: Sind Sie damit in den sogenannten Executive-Search-Bereich groß eingestiegen? Anders: Wie können Sie diese Frauen in den Markt "einspeisen"?

Lindlbauer: Zwei Besetzungen sind schon abgeschlossen via meine Netzwerke. Und ich bin sehr gut vernetzt. Es gibt mehrere Möglichkeiten der Umsetzung: Entweder Firmen fragen bei mir direkt an, oder Topheadhunter kooperieren mit mir. Gespräche mit den Marktteilnehmern darüber habe ich natürlich geführt.

STANDARD: Und?

Lindlbauer: Gelegentlich werde ich auch von Beratern zu diesem Frauenthema noch belächelt. Das bringt mich aber nicht ab vom Weg, das habe ich in elf Jahren mit meinem Unternehmen gelernt. Ich sehe mich im Top-Executive-Search-Geschäft als vorgelagerte Datenbank.

STANDARD: Also: Qualifizierte Frauen gibt's nicht - dieses Argument soll nicht mehr zählen.

Lindlbauer: Genau. Und ich möchte diese Frauen auch wegbringen von den ewigen Diskussionen um Kinderbetreuung, Tipps für Verhalten und Bekleidung. Das wissen die Frauen in diesem Level. (Karin Bauer/DER STANDARD, 3./4.8.2013)

Manuela Lindlbauer führt die Personalberatung Lindlpower, ist im Vorstand von Frau in der Wirtschaft.

  • Erwartet ein Geschäft mit ihrer Datenbank topqualifizierter Frauen: Beraterin Manuela Lindlbauer. Die Durchmischung an den Spitzen sei nicht aufzuhalten.
    foto: lindlbauer

    Erwartet ein Geschäft mit ihrer Datenbank topqualifizierter Frauen: Beraterin Manuela Lindlbauer. Die Durchmischung an den Spitzen sei nicht aufzuhalten.

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