Neue Erkenntnisse könnten zur Geburt von mehr Fohlen führen

4. August 2013, 17:44
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Vetmed-Forscher identifizieren regulatorische Immunzellen, die für die Trächtigkeit entscheidend sind

Wien - Der Verlust eines Fohlens in den ersten Wochen der Trächtigkeit ist bei Pferden keine Seltenheit. Wissenschafter an der Veterinärmedizinischen Universität (Vetmed) Wien haben nun herausgefunden, dass das mit einer zu geringen Anzahl bestimmter Immunzellen der trächtigen Stute zusammenhängt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der Fachzeitschrift "Reproduction, Fertility and Development".

Damit ein Pferd erfolgreich Nachwuchs austragen kann, muss das Immunsystem der Mutter bis zu einem gewissen Grad unterdrückt werden. Geschieht das nicht, droht der frühe Verlust des Embryos. Das gilt keineswegs nur für Pferde, denn auch beim Menschen muss sich das Abwehrsystem der Mutter auf die neue Situation einstellen, um das Ungeborene nicht als Eindringling zu bekämpfen.

Die Treg-Zellen

Wissenschafter um Christine Aurich vom Zentrum für Besamung und Embryotransfer der Vetmed haben nun analysiert, ob ein verfrühtes Ende der Trächtigkeit mit der Aktivität bestimmter Zellen, die dafür zuständig sind, das Immunsystem in bestimmten Fällen zu unterdrücken, zusammenhängt. Die Forscher entwickelten dazu eine Methode, um diese "regulatorischen T-Zellen" (Treg-Zellen) im Blut von Stuten nachzuweisen.

Für die Untersuchung wurden insgesamt 108 Stuten künstlich besamt. Ob eine Stute nach der Befruchtung überhaupt trächtig wird, ist zwar laut den Studienergebnissen nicht von der Anzahl an Treg-Zellen abhängig - sehr wohl aber ist es der Umstand, ob die Trächtigkeit aufrecht bleibt. Im Blut von Stuten, die ihre Fohlen früh verloren, fanden sich nämlich deutlich weniger Treg-Zellen als bei Pferden, deren Trächtigkeit normal verlief. Zu niedrige Mengen dieser Zellen verursachen demnach wahrscheinlich den Abbruch der Trächtigkeit. Für eine stabile Entwicklung des Embryos braucht es also eine ausreichende Anzahl an Treg-Zellen.

Die Wissenschafter vermuten, dass bestimmte Hormonbehandlungen die Trächtigkeit beim Pferd aufrechterhalten könnten. Aus der Humanmedizin ist etwa bekannt, dass das Sexualhormon Östradiol die Funktion von Treg-Zellen anregt. Es gebe auch Hinweise, dass wiederholter Kontakt mit Hengstsamen zur Erhöhung der Toleranz des Abwehrsystems gegenüber dem Embryo beitragen könnte. In weiteren Untersuchungen wollen die Forscher Methoden testen, mit denen Trächtigkeitsraten beim Pferd gesteigert werden können. (APA/red, derStandard.at, 3. 8. 2013)

  • Muttertier und Fohlen: Bis es zu dieser idyllischen Szene kommen konnte, waren allerdings einige Hürden zu überwinden.
    foto: christine aurich

    Muttertier und Fohlen: Bis es zu dieser idyllischen Szene kommen konnte, waren allerdings einige Hürden zu überwinden.

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