Das Moto X: Google gibt 100 Prozent

2. August 2013, 18:10
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Dem neuen Smartphone ging eine grundlegende Umgestaltung von Motorola voran - Hard- und Softwareinnovation in einer Hand

Von Anfang an machte Google kein sonderliches Geheimnis daraus, dass die Übernahme des traditionsreichen Mobiltelefonherstellers Motorola Mobility nicht primär erfolgt, um ins Hardware-Business einzusteigen. Viel mehr hoffte der Softwarehersteller darauf, sein mobiles Betriebssystem Android mit dem breiten Patent-Portfolio von Motorola besser vor Klagen zu schützen. Eine Strategie, die als mäßig erfolgreich bezeichnet werden kann, so manche der erworbenen Patente stellten sich als wertlos heraus. In Summe wird der Wert der Patente maximal auf die Hälfte des Kaufpreises von 12,5 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Interessenslage

Unter diesem Blickpunkt gewinnt die Hardwaresparte wieder zunehmend an Attraktivität für Google, obwohl Motorola in den letzten Jahren mit einbrechenden Marktanteilen zu kämpfen hatte. Mit dem Moto X gibt es nun das erste vollständig unter Google-Führung entstandene Smartphone. Wo die Geräte der Nexus-Linie in Zusammenarbeit mit Drittherstellern entstehen, ist hier erstmals Google pur zu finden, wie Wired in einem aktuellen Artikel herausstreicht.

Google-Services

"Wenn man sich ansieht, welche Services am meisten auf Smartphones genutzt werden - Mail, Karten, Suche - dann sind das alles Dinge, die Google macht", zeigt sich Motorola-Boss Dennis Woodside überzeugt. Anstatt Android groß umzubauen war das Ziel also diese Services noch einfacher zugänglich zu machen. Ein Beispiel dafür ist die "Touchless Control", mit der Google Now rein durch Sprachsteuerung aktiviert werden kann.

Fokus

Woodside war nach der Google-Übernahme als neue CEO eingesetzt worden, zuvor leitet er den Verkauf bei Google. Seine erste Aufgabe war es dem Unternehmen einen stärkeren Fokus zu verpassen. So will man künftig deutlich weniger unterschiedliche Smartphone-Modelle verkaufen, man sei bereits von 45 auf 5-6 gegangen, zeigt sich Woodside zufrieden.

Umschichtungen

Einen verstärkten Fokus zu finden, heißt aber auch, dass es eine der ersten Aufgaben von Woodside war, Leute hinauszuschmeißen. Keine einfache Aufgabe, wie der Motorola-CEO betont, immerhin sei Motorola das Google seiner Zeit gewesen. Diese Phase sei aber nun abgeschlossen, zudem seien im Zuge der Umstrukturierungen bereits 70 Google-Mitarbeiter in die Motorola-Abteilung übersiedelt.

Hard- und Software

Das erste Ergebnis all dieser Bemühungen ist nun eben das Moto X, bei dem Software- und Hardwareinnovationen Hand in Hand gehen sollen. So wird das erwähnte "Touchless Control" erst dadurch möglich, dass der Prozessor einen besonders stromsparenden Modus kennt, bei dem die Taktung auf 13,53 MHz reduziert werden kann. Ohne diesen würde das dauernde "Lauschen" auf Spracheingabe schlicht zu viel Strom verbrauchen.

Made in USA

Sowohl für die Entwicklung als auch die Auslieferung spielt eine andere Besonderheit des Moto X eine besondere Rolle: Es wird in den USA gefertig, konkret in einer Fertigungsstätte in Fort Worth, Texas, die ursprünglich für Nokia gebaut wurde. Dies erlaubt nicht nur schnellere Iterationen in der Entwicklungsphase, erst so wird auch ein weiteres herausstechendes Merkmal des Moto X möglich.

Individuell

Lässt sich das Äußere des neuen Smartphones doch individuell zusammenstellen. Zahlreiche verschiedene Materialien - später soll sogar eine Variante mit Holz-Rückteil folgen - und Farben stehen zur Auswahl.. Jedes einzelne auf diese Weise bestellte Exemplar wird auf Wunsch zusammengebaut, Motorola verspricht dass dies in 4-5 Tagen erledigt ist. Alternativ dazu gibt es auch klassische schwarze und weiße Varianten, die umgehend verfügbar sind.

Kein Druck

Woodside geht übrigens nicht davon aus, dass man mit dem Moto X den Mobiltelefonhersteller von einem Tag auf den anderen wieder auf die Beine stellen kann. Das sei aber auch kein Problem: Es gehe Google nicht darum möglichst viel Geld in kurzer Zeit zu machen, man habe hier eine wesentlich langfristigere Perspektive. (red, derStandard.at, 02.08.13)

 

  • Das Moto X.
    foto: mark lennihan / ap

    Das Moto X.

  • Artikelbild
    foto: reuters
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