Gastbiere

4. August 2013, 16:33
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Conrad Seidl über die neue Kooperationsbereitschaft der Brauereien

Dass ein Gast auf ein Bier vorbeikommt, ist in der Gastronomie, zumal in den Brauereigaststätten, nichts Besonderes. Dass ein Gast sein eigenes Bier mitbringt, ist unüblich, dass das gerne gesehen wird, ist extrem selten. Und dass der Gast dann auch noch aufgefordert wird, sein eigenes Bier an die P.T. Gäste zu verkaufen, das hätte es vor wenigen Jahren in keiner Brauerei gegeben.

In letzter Zeit hat sich da allerdings einiges geändert: Brauer haben gelernt zu kooperieren. Zunächst passierte das in Bereichen, die kaum auffallen. Da ging es etwa um Einkaufsgemeinschaften kleinerer Brauer, die realisiert haben, dass man die Ersatzteile von Abfüllanlagen, Bierflaschen und Kronenkorken, womöglich aber auch die eigentlichen Rohstoffe Hopfen und Malz billiger beschaffen kann, wenn man gemeinsam größere Mengen ordert.

Da hat man natürlich das eine oder andere Bier miteinander getrunken und weitere Kooperationsideen geboren: Bei den Freien Brauern, einer Gemeinschaft, der von Alpirsbach im Schwarzwald bis Zwettl im Waldviertel mehr als drei Dutzend mittelständische Bauer angehören, ist es inzwischen üblich, dass man Gastbiere eines Kollegen in den brauereieigenen Gaststätten ausschenkt.

Braukulturwochen

Konkurrenz belebt das Geschäft. Wobei sich ja in der Regel zeigt, dass die Kunden, die das regionale Bier gewohnt sind, zwar das Gastbier probieren, dann aber doch dem Gewohnten treu bleiben.

Im großen Stil führt das momentan die Ottakringer Brauerei vor: Sie hat diesen Sommer zu "Braukulturwochen" ausgerufen. Auf dem Brauereigelände am Johann-Nepumuk-Berger-Platz ist neun Wochen lang jeweils eine andere Kleinbrauerei zu Gast: Brauschneider und Forstner, die Biermanufaktur Korneuburg und die fränkische Brauerei Haber-stumpf waren schon zu Gast, seit Donnerstag dieser Woche werden die obergärigen Spezialitäten der Salzburger Bio-Brauerei Gusswerk ausgeschenkt. Und ab dem Donnerstag nächster Woche ist dann die Versuchsbrauerei der Technischen Universität München in Weihenstephan dran, es folgen das Hofbräu Herzog aus Wundschuh, das Wolfsbräu aus der Buckligen Welt und schließlich der Bierzauberer Günther Thömmes aus Brunn am Gebirge.

Die kleinen Brauer haben einen kleinen Stand, die große Brauerei liefert die Gäste - und alle haben etwas davon. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 2.8.2013)

  • Auf dem Brauereigelände am Johann-Nepumuk-Berger-Platz ist neun Wochen lang jeweils eine andere Kleinbrauerei zu Gast.
    foto: conrad seidl

    Auf dem Brauereigelände am Johann-Nepumuk-Berger-Platz ist neun Wochen lang jeweils eine andere Kleinbrauerei zu Gast.

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