Aus dem Riesenmaul

1. August 2013, 18:09
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Alles nahm seinen gewohnten Gang. Die Gäste lobten die Stadt, Thomas Bernhard wurde erwähnt, Karl Kraus zitiert. Dann kam Gerd Bacher

Der Kulturnabel der Welt befindet sich derzeit in Salzburg. Das weiß natürlich niemand besser als die Stadt selbst, also wurde am Mönchsberg ein prächtiger Bildband über die Schönheiten zwischen Mirabell und Salzach präsentiert. Die  Seitenblicke waren dabei und setzten Mittwochabend zu einem ihrer Singsangberichte an.

Alles nahm seinen gewohnten Gang. Die Gäste im Nobelrestaurant lobten Buch und Stadt, Thomas Bernhard wurde erwähnt, Karl Kraus zitiert, dazu Schmähtandelei. Es war wie immer.

Doch dann kam Gerd Bacher. Der ehemalige ORF-Generalintendant – man nannte ihn "Tiger" – fuhr seine Krallen aus und versetzte der fröhlichen Gemeinschaft einen platzierten Prankenhieb: "Wenn die Bevölkerung so toll wäre, wie die Stadt, wär's überhaupt olympisch. Aber man gewöhnt sich daran."

Im Beitrag war das wie ein Startsignal, denn ab hier kippte die Stimmung der Party. "Die Wiener sind ja auch einzeln nett", sagte Wolfgang Porsche und lieferte einen Hinweis auf die nicht olympiareifen Bewohner Salzburgs.  Den nächsten Beitrag mit verträumtem Twin-Peaks-Sound zu eröffnen passte da gut, denn Entspannung tat not, allein die Stimmung wurde nicht besser: "Die Presse ist ein geöffnetes Riesenmaul und beißt alles, was nicht konform ist", maulte Sven Eric Bechtolf. Ein Fall für die Ehrenbürgerschaft. (Doris Priesching, DER STANDARD, 2.8.2013)

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