Steger: "Studieren soll etwas kosten"

Interview2. August 2013, 14:01
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Geht es nach der FPÖ-Nationalratskandidatin Petra Steger sollen Studierende 500 Euro pro Semester an Studiengebühren zahlen

Petra Steger, Tochter des ehemaligen FPÖ-Chefs Norbert Steger, tritt für die FPÖ bei den Nationalratswahlen an und wird im Herbst sehr wahrscheinlich in den Nationalrat einziehen. Im Gespräch mit derStandard.at erklärt sie, weshalb die FPÖ gegen Vermögenssteuern ist, nach wie vor die Partei des "kleinen Mannes" sein soll und Studierende künftig Studiengebüren in der Höhe von 500 Euro pro Semester bezahlen sollen.

derStandard.at: Sie sind seit 2008 in der FPÖ. Was hat sie damals dazu bewogen, sich in der FPÖ zu engagieren?

Steger: Ich hatte schon immer eine gewisse Leidenschaft für die Politik, das geht einher damit, wenn man in einer politischen Familie aufwächst. Man diskutiert natürlich sehr viel. Irgendwann wollte ich mich selbst aktiv engagieren. Für mich war nicht klar, dass ich in die FPÖ gehe, ich war bei Veranstaltungen von verschiedenen Parteien, sogar bei den Grünen. Mich hat aber einfach die Bürgernähe von H.C. Strache überzeugt. Diese Energie, wie er mit den Leuten umgeht, das hat mich begeistert. Er ist einfach ein Politiker zum Anfassen. Die FPÖ hat im Gegensatz zu den anderen Parteien immer dazu gestanden, was sie gesagt hat.

derStandard.at: Was ist der wichtigste Punkt, für den die FPÖ immer eingestanden ist?

Steger: Das ist klar die direkte Demokratie. Die FPÖ ist die einzige Partei, die sich für ein Mitspracherecht des Volkes einsetzt.

derStandard.at: Sie sind derzeit in Meidling als Bezirksrätin tätig. Was sind die vordringlichsten Probleme in Meidling?

Steger: Ein großes Anliegen unter mehreren ist die Neugestaltung der Meidlinger Hauptstraße. Die Leute sollen sich da hinsetzen können und sagen: Ja, das ist mein Bezirk. Außerdem bin ich noch in der Kulturkommission.

derStandard.at: Unser derzeitiger Integrations-Staatssekretär hat immer wieder betont, dass er in Meidling zur Schule gegangen ist und dass der Migrantenanteil dort sehr hoch sei. Deshalb sei er besonders geeignet für sein Amt. Ist der Migrantenanteil in Meidling ein Problem?

Steger: Da wären aber viele Leute aus vielen Bezirken sehr gut geeignet als Integrations-Staatssekretär. Ich hoffe, das war nicht sein einziges Argument. Natürlich ist der Ausländeranteil sehr hoch. Man sieht auch sehr viele verschleierte Frauen auf den Straßen. Das Verbot der Verschleierung auf öffentlichen Plätzen ist auch ein wichtiger Punkt, für den sich die FPÖ einsetzt.

derStandard.at: Wie bewerten sie die bisherigen Leistungen des Integrations-Staatssekretärs?

Steger: Ich will jetzt keine Schulnoten für den Staatssekretär verteilen. Er ist ein junger Kandidat, wie ich. Man muss noch viel lernen. Ich frage mich aber schon, was bei seiner Arbeit bis jetzt herausgekommen ist. Das ist immer mehr Schein.

derStandard.at: Die ÖVP will mit Sebastian Kurz das sogenannte Ausländerthema entschärft und der FPÖ damit ein wichtiges Thema genommen haben. Wie sehen Sie das?

Steger: Ich freue mich über jeden, der diese Problematik anspricht. Aber man muss festhalten: Wir haben diese Probleme von Anfang an angesprochen. Wenn wir verpflichtende Deutschkenntnisse für Schulanfänger fordern, werden wir damit ins rechtsradikale Eck gestellt. Wenn Kurz das tut, wird es als kreativ gewertet.

derStandard.at: Mit Plakaten wie "daham statt Islam" provoziert die FPÖ aber auch Missgunst innerhalb der Gesellschaft.

Steger: Mit unseren provokanten Plakaten wollen wir nur die Aufmerksamkeit auf die Probleme lenken.

derStandard.at: Sie wollen in den Nationalrat. Welches Anliegen wollen Sie dort unbedingt umsetzen?

Steger: Mir liegt der Sport sehr am Herzen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es nicht genügend geeignete Sportstätten gibt. Es muss aber möglich sein, dass wir auf sportliche Erfolge hintrainieren können. Nicht die Sportler sind schuld, wenn das nicht klappt, sondern die Politik und das System. Für mich ist es wichtig, dass den Sportlern keine Grenzen gesetzt werden.

derStandard.at: Sie haben sich mehrfach für ein Kopftuchverbot auf öffentlichen Plätzen ausgesprochen, warum eigentlich?

Steger: Ich habe einige Monate in Kuala Lumpur gearbeitet, ein islamisch geprägtes Land. Viele der Frauen dort haben mir erzählt, dass sie ihre Kopftücher nicht freiwillig tragen und sich dazu gezwungen sehen. Ich finde, dass der Schutz vor Unterdrückung der Frau immer an oberster Stelle stehen muss. Wenn das auf Kosten der Frauen passiert, die ihre Kopftücher freiwillig tragen, dann sei das so.

derStandard.at: Ist Ihnen das Thema Gleichstellung wichtig?

Steger: Frauen interessieren sich zum Teil immer für Frauenpolitik. Ich möchte Politik für ganz Österreich machen, ich möchte mich nicht darauf reduzieren lassen. Wenn es um die Unterdrückung der Frau geht, darf man aber nicht mit einer falschen Toleranz antworten.

derStandard.at: Die FPÖ hat mit 16,2 Prozent die niedrigste Frauenquote im Parlament. Sehen Sie auch in Ihrer eigenen Partei Handlungsbedarf?

Steger: Die FPÖ hat jetzt mit einem Frauenanteil von 25 Prozent eine sehr gute Liste aufgestellt. Wir wehren uns nur gegen Quotenregelungen auf Kosten von Qualität. Manche Frauen haben gar nicht das Interesse, die Begabung oder kommen allgemein nicht mit dem Politischen zurecht. Wenn sich Frauen politisch in der Partei engagieren wollen, sind sie herzlich willkommen.

derStandard.at: Wer ist eigentlich die Zielgruppe der FPÖ?

Steger: Ganz Österreich.

derStandard.at: Gilt das Schlagwort "Politik für den kleinen Mann" in der FPÖ eigentlich noch?

Steger: Ja, unsere Politik betrifft alle.

derStandard.at: Warum ist die FPÖ dann gegen Vermögenssteuern?

Steger: Die Vermögenssteuer trifft am Ende wieder die Mittelschicht. Manche Menschen haben sich ihr Leben lang etwas angespart und fallen am Ende genau unter diese Grenze und müssen einen Steuersatz zahlen, den sie sich nicht leisten können.

derStandard.at: Und was wäre mit einer Vermögenssteuer, die erst aber einer hohen Grenze zum Tragen kommt? Wäre das umverteilungspolitisch nicht gerechter?

Steger: Prinzipiell ist gegen Umverteilung nichts zu sagen. Allerdings muss man auch schauen, dass Leistung nicht bestraft wird.

derStandard.at: Glauben Sie, es hatte viel mit ihrem sozio-ökonomischen Hintergrund zu tun, dass Sie die Chance hatten, in Harvard zu studieren?

Steger: Gewiss, ohne Geld geht in Amerika studiumstechnisch gar nichts. Aber es gab auch inhaltliche Herausforderungen.

derStandard.at: Glauben Sie, dass der sozio-ökonomische Hintergrund im österreichischen Schulsystem eine viel zu große Rolle spielt?

Steger: Nicht alle haben die gleichen Voraussetzungen, aber entscheidend ist, dass alle dieselben Chancen haben. Es gibt aber schon Verbesserungsmöglichkeiten.

derStandard.at: Wäre die Gesamtschule ein Modell, dem entgegenzusteuern?

Steger: Nein, die Schüler sollen nach unterschiedlichen Interessen und Begabungen gefördert werden. Diese Vereinheitlichung macht keinen Sinn, für manche ist der Traumberuf Elektriker, da braucht man keine Matura. Wichtig ist, dass man früh beginnt, gezielter nach Begabungen zu suchen und diese zu fördern. Ich glaube, dass reiche Eltern ihre Kinder dann auf private Schulen schicken.

derStandard.at: Sind Sie für Wiedereinführung von Studiengebühren?

Steger: Ich bin der Meinung, dass Studieren etwas kosten soll. Es muss für jeden leistbar sein, alle anderen sollten Unterstützungen bekommen. Ein Betrag von 500 Euro pro Semester wäre angemessen. Ich denke, dass es notwendig ist, dass diejenigen, die sich das leisten können, etwas in das System einzahlen. Sie bekommen ja auch etwas zurück. Aber jeder muss die Chance haben, zu studieren.

derStandard.at: Sie würden die Studiengebühren für alle also wieder einführen?

Steger: Ja. Auch wenn es dafür in der Partei derzeit keine Mehrheit gibt.

derStandard.at: Mit wem würden Sie lieber koalieren, wenn die FPÖ in die Regierung kommt?

Steger: Es ist nicht meine Aufgabe, das zu entscheiden. Aber eine gewisse Diskussionsbereitschaft und Offenheit muss immer vorhanden sein.

derStandard.at: Liegt Ihnen noch etwas am Herzen?

Steger: Für mich ist immer wieder schockierend, wie sehr immer wieder versucht wird, die FPÖ in ein falsches Licht zu rücken. Wie leichtfertig mit Begriffen wie "rechtsradikal" umgegangen wird. Besonders weil mein Urgroßvater im KZ umgebracht wurde, bin ich persönlich immer wieder entsetzt über diese falschen Unterstellungen. (Katrin Burgstaller, Julia Niemann, derStandard.at, 2.8.2013)

PETRA STEGER (25) geboren in Wien, studiert an der Wirtschaftsuniversität Wirtschaftsrecht. Seit 2010 ist sie Bezirksrätin in der FPÖ Meidling. Steger ist mehrfache Österreichische Basketball Staatsmeisterin. In Harvard absolvierte sie zwei Summer Schools. Sie kandidiert für die FPÖ auf Platz zehn der Wiener Landesliste.

  • Petra Steger: "Das Verbot der Verschleierung auf öffentlichen Plätzen ist auch ein wichtiger Punkt, für den sich die FPÖ einsetzt."
    foto: katrin burgstaller

    Petra Steger: "Das Verbot der Verschleierung auf öffentlichen Plätzen ist auch ein wichtiger Punkt, für den sich die FPÖ einsetzt."

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