Wölfe tun Beeren und Bären gut

31. Juli 2013, 18:56
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Die Wiederansiedlung der Raubtiere im Yellowstone-Nationalpark war folgenreich: Ökologischer Kaskadeneffekt in Gang gesetzt

Washington/Wien - Lange waren die Wölfe aus dem Yellowstone-Nationalpark im Nordwesten der USA verschwunden. Vor 18 Jahren wurden sie wiederangesiedelt - auch deshalb, weil die Wapitihirsche sich allzu sehr verbreitet hatten. Die Präsenz der Wölfe seit 1995 hatte aber noch ganz andere Folgen, wie die beiden Biologen William Ripple und Robert Beschta von der Oregon State University im "Journal of Animal Ecology" berichten.

Tatsächlich reduzierten die Wölfe die Zahl der Wapitihirsche beträchtlich. Das wiederum führte dazu, dass Espen- und Weidengehölze höher wachsen konnten, weil ihnen weniger Hirsche die Spitzen abfraßen. Die höheren Bäume schufen aber auch für Beerensträucher bessere Bedingungen und ließ sie weitaus mehr Früchte produzieren als zuvor.

Als die beiden Ökologen den Kot von Grizzlys aus den letzten Jahren verglichen, machten sie eine überraschende Entdeckung: Im Bärendreck fanden sich mehr als doppelt so viel Beerenreste wie vor einigen Jahren: Die Pelztiere hatten ihre Diät umgestellt. Als die Wölfe fehlten, hatten sich die Grizzlys viel stärker von Fleisch ernährt - unter anderem von Wapiti-Kälbern. Nun waren ihnen die Beeren lieber.

Die problemlose Beerendiät könnte freilich zu einem Problem für die Grizzlys werden: Seit Jahren wird darum gestritten, ob die mächtigen Tiere es verdienen, auf die Liste der bedrohten Tiere zu stehen. Im Moment genießen sie auch wegen des bisher beschränkten Futterangebots einen besonderen Schutz. Doch der könnte den Bären dank der Beeren im Überfluss abhandenkommen. (tasch/DER STANDARD, 1.8.2013)

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    In Yellowstone gibt es seit kurzem mehr Futter für Grizzlys.

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