Angriff auf die Medienbehörde

31. Juli 2013, 18:03
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Frequenzen sind rar in Wien. Er bespielte schon die 103,2 MHz, galt als Favorit für ihre fixe Vergabe. Umso härter kritisiert Florian Novak (Lounge FM) die Medienbehörde für den Zuschlag an ein Kinderradio. Dessen Macher finden die Argumente "hanebüchen"

Wien - Drei Mitbewerber haben gegen den Lizenzentscheid der Medienbehörde KommAustria für das Kinderradio berufen: Lounge FM, Radio Maria und Radio Viyana. Das bestätigt Thomas Rybnicek, einer der drei Betreiber von "Mein Kinderradio". Mit Abstand am umfangreichsten Lounge FM.

Auf 60 Seiten zerpflückt Novak detailliert den Bescheid der Medienbehörde. Wofür Rybnicek durchaus Verständnis hat - für den Mitbewerber, schon in Oberösterreich, im Internet (Nachrichten auf derStandard.at) sowie über eine Eventlizenz bisher in Wien aktiv, sei die Hauptstadt offenkundig ein Schlüsselmarkt. Novaks Kritikpunkte teilt er naturgemäß nicht. Kinderradio-Partner Andreas Früchtl kündigt an, sie vor dem Bundeskommunikationssenat zu "entkräften". Früchtl spricht von "hanebüchenem Unsinn".

Verhandlung vermisst

Den sieht Früchtl in Novaks Bezeichnung für das Unternehmen, mit dem sich Früchtl, Rybnicek und Unternehmer Peter Aigner beworben haben: Die Limited Company mit Sitz in Großbritannien nennt Novak eine "Briefkastenfirma". Früchtl weist das zurück - hätte es die neue GesmbH schon gegeben, hätte das Kinderradio die gewählt. So war die Ltd. die günstigste Gründungsform.

Novak moniert aber nicht nur die Gesellschaftsform: Er vermisst in seiner Berufung nennenswertes Stammkapital. Finanzierungszusagen für Anlaufverluste gebe es nur von zwei der drei Gesellschafter, und auch die seien im Verfahren verspätet eingelangt. Novak vermisst Budgetposten - etwa für Hörbuchlizenzen und für Honorare, moniert ein zu schmal kalkuliertes Personalbudget und nach seiner Bewertung zu geringen Personalstand für das angekündigte Programm mit 25 Prozent Wortanteil, mit einer Teilabdeckung Wiens und untertags Fokus auf Kinder kommt er auf wenige Zehntausend potenzielle Hörer.

Die Finanzierung ohne Werbung mit Patronanzen sieht der Mitbewerber als unrealistisch. Er beruft sich dabei auch auf einen Lizenzbescheid der Medienbehörde, mit dem sie ein Jahr zuvor das Kinderradio in Salzburg wegen ihres wirtschaftlichen Konzepts ablehnte. Fachlich und organisatorisch, betont Rybnicek, habe sie das Kinderradio schon damals geeignet gesehen.

"Keine Ahnung von Kinderradio"

Geplante Livemoderation mit computergenerierten Stimmen nennt Novak unmöglich. Für Tontechniker Früchtl zeigt das "keine Ahnung von Kinderradio", dafür würden "andere Parameter" gelten und nicht, ob die Stimme als nicht menschlich erkennbar sei..

Novaks Berufung richtet sich offenkundig vor allem gegen das Verfahren der Medienbehörde: Sie habe insbesondere auf eine mündliche Verhandlung verzichtet, in sie aus seiner Sicht viele der Kritikpunkte vor Vergabe klären hätte können. (fid, DER STANDARD, 1.8.2013)

Nachlese
Drache aus dem Computer: Lizenz für Kinderradio - Die Medienbehörde vergibt die City-Radiolizenz Wien 103.2 an ein Programm für Drei- bis Siebenjährige. Lounge FM, das die Frequenz bisher bespielte, kündigt prompt Berufung an. Der Bundeskommunikationssenat entscheidet als nächste Instanz über die rare Frequenz

  • 60 Seiten Berufung.

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  • Der Drache "Radino" mit der computergenierten Stimme: Faksimile aus der Bewerbung von "Mein Kinderradio".
    foto: faksimile

    Der Drache "Radino" mit der computergenierten Stimme: Faksimile aus der Bewerbung von "Mein Kinderradio".

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