Ökonom: "Das würde den Binnenmarkt töten"

Interview31. Juli 2013, 18:02
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Für den Ökonomen Guntram Wolff muss eine Bankenunion den Teufelskreis zwischen Staaten und Geldhäusern brechen

Standard: Was sollte das Ziel der neuen Bankenunion sein?

Guntram Wolff: Der entscheidende Test für die Bankenunion ist, ob wir die Banken wirklich von ihren Staaten trennen können. Wir müssen den Teufelskreis brechen, in dem sich die Finanzprobleme von Staaten und Banken gegenseitig aufschaukeln. Wenn wir diesen Link zwischen Banken und Staaten auflösen, bekommen wir letztendlich ein europäisches Bankensystem. Eine österreichische Bank ist dann keine österreichische mehr, sondern in mehreren Euroländern aktiv und eine europäische Bank. Das ist das Ziel.

Standard: Aber aktuell bleibt der Bankenmarkt in der Eurozone zerklüftet, spanische Banken haben ganz andere Probleme und Rahmenbedingungen als deutsche.

Wolff: Die Fragmentierung, die wir derzeit sehen, wird uns noch Jahre begleiten. Denn neben den Strukturproblemen der Banken gibt es ja weiterhin wirkliche fundmentale Probleme in einigen Eurostaaten. Auch die Fiskalpolitik in der Eurozone bleibt ja zerklüftet. Die Ängste der Investoren bei einigen Banken können daher durchaus berechtigt sein, wenn die Qualität ihrer Veranlagungen wirklich schlecht ist.

Standard: Die Bankenunion soll diese Ängste zerstreuen. Was sind die größten Baustellen auf dem Weg zu einem europäischen Markt der Banken?

Wolff: Es hat schon etwas von einer unmöglichen Mission, denn es gibt viele Baustellen. Alleine schon die Personalfrage. Die EZB muss 1000 neue Bankaufseher finden, die gleich zu Beginn eine glaubwürdige Prüfung der Bankbilanzen durchführen. Das ist keine triviale Aufgabe. Denn das Team muss von Anfang an glaubwürdig sein und die nationalen Behörden im Griff haben. Langfristig ist es aber noch viel entscheidender, dass wir bezüglich der Altlasten auf den Bilanzen eine Einigung erreichen und bei der Lastenteilung zwischen den Bankgläubigern, den Staaten und dem europäischen Steuerzahler.

Standard: Wer soll denn künftig eine marode Bank zusperren dürfen und wer dafür zahlen?

Wolff: Die Kosten werden in den kommenden Jahren wohl auf nationaler Ebene bleiben. Aber es ist essenziell, dass in allen Ländern derselbe Standard eingehalten wird. Es darf nicht dort, wo die Staatsfinanzen angeschlagen sind, aus Budgetnöten eine höhere Beteiligung der Gläubiger vorgenommen werden. Das würde den Binnenmarkt töten. Später sollte man zu einem europäischen Mechanismus übergehen. Eine Bankenunion, die ernsthaft funktionieren soll, braucht eine Behörde, die Institute abwickelt. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 1.8.2013)

Guntram Wolff (38) ist Leiter der Brüsseler Denkfabrik Bruegel. Zuvor war der Deutsche bei der Europäischen Kommission und der Deutschen Bundesbank als Ökonom beschäftigt.

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