Hofkammerarchiv wird zum Grillparzerhaus

31. Juli 2013, 17:07
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Im Frühjahr 2015 soll das Literaturmuseum der Nationalbibliothek eröffnet werden

Wien - Am 17. Oktober wird das Winterpalais des Prinzen Eugen in der Himmelpfortgasse, in dem bis vor ein paar Jahren das Finanzministerium untergebracht war, mit allem barocken Prunk als Museum unter der Leitung von Belvedere-Chefin Agnes Husslein-Arco wiedereröffnet. Das Datum liegt auf der Hand: Der große Feldherr, Sammler und Mäzen wurde vor exakt 350 Jahren, am 18. Oktober 1663, in Paris geboren.

Daneben, in der Johannesgasse, ist ein weiteres Museum, das Grillparzerhaus der Nationalbibliothek, im Entstehen. Das Biedermeiergebäude, im Revolutionsjahr 1848 errichtet, wird gegenwärtig um 2,8 Millionen Euro renoviert. Die Arbeiten sollen Ende März 2014 beendet sein, mit der Eröffnung als Literaturmuseum ist im Frühjahr 2015 zu rechnen.

Das von außen eher unscheinbare Haus beherbergte einst das k. k. Hofkammerarchiv; bis 1856 war der Schriftsteller Franz Grillparzer dessen Direktor. Sein Büro im zweiten Stock ist bis heute nahezu unverändert erhalten geblieben: Auch das Stehpult ist vorhanden, an dem der Herr Hofrat etliche seiner Stücke verfasste.

Um 2006, als das Staatsarchiv bekanntgab, das Gebäude aufgeben zu wollen, meldete ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger Interesse an. Denn Wendelin Schmidt-Dengler, bis zu seinem Tod 2008 Leiter des Literaturarchivs, hatte ihr die Idee eines Museums in den Kopf gesetzt. Rachinger gab bei Heike Gfrereis, die im Deutschen Literaturarchiv in Marbach die Museen leitet, ein Gutachten in Auftrag. Und Gfrereis zeigte sich begeistert. Im Gutachten vom April 2007 heißt es: "Standort, Architektur, Platzangebot, Raumaufteilung, historische und geplante Nutzung stehen in idealer wie faszinierender Konstellation zueinander." Sie erlaube ein "in architektonischer wie inhaltlicher Hinsicht spektakuläres und innovatives neues Museum".

Daraufhin erarbeiteten Wendelin Schmidt-Dengler und sein Mitarbeiter Bernhard Fetz, der ihm nachfolgen sollte, das Konzept. Und SP-Kulturministerin Claudia Schmied erklärte sich bereit, die Einrichtungskosten in der Höhe von 2,2 Millionen Euro zu übernehmen. Der Plan, das Museum 2013 zu eröffnen, ließ sich aufgrund von Verzögerungen bei der Gebäudesanierung nicht realisieren. Doch nun lud Rachinger zu einer Begehung der noch nicht sanierten Archivräume ein. Den zweistufigen Wettbewerb für die Einrichtung als Literaturmuseum von der josephinischen Zeit bis heute entschied das Team BWM mit Planet Architects für sich, das auch für die Gestaltung der neuen Dauerausstellung des Jüdischen Museums verantwortlich zeichnet (Eröffnung am 19. November).

Das Literaturmuseum wird sich auf drei Ebenen erstrecken und 730 Quadratmeter Ausstellungsfläche haben. 80 Prozent der denkmalgeschützten Regale bleiben erhalten. Einziger Schönheitsfehler: Die Einrichtungskosten machen nun 2,6 Millionen Euro aus. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 1.8.2013)

  • Frisch befüllt mit Jandl und Co: Achtzig Prozent der Regale des Hofkammerarchivs sollen erhalten bleiben.
    simulation: bwm mit planet architects

    Frisch befüllt mit Jandl und Co: Achtzig Prozent der Regale des Hofkammerarchivs sollen erhalten bleiben.

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