Schwerelosigkeit und Schwammerlidyll

31. Juli 2013, 17:00
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Zwei Frontfrauen, die sich ganz der Musik hingeben: die Frankokanadierin Louise Lecavalier in ihrem jüngsten Solo "So Blue " und Needcompany-Star Grace Ellen Barkey in der funky Tanzshow "Mush-Room"

Heute sieht die frankokanadische Tänzerin Louise Lecavalier mit ihrem coolen Punkhaarschnitt David Bowie ziemlich ähnlich.

Vor über zwanzig Jahren, als sie in Bowies Musikvideo zu Fame getanzt hat, hatte sie lange blonde Haare und war der Superstar der Powertanz-Gruppe La La La Human Steps. Lecavalier, 1958 in Montreal geboren, gehört zu den erfolgreichsten Tänzern und Choreografen Kanadas; das wurde mit vielen Preisen quittiert, unter anderem erhielt sie bereits 1985 als erste Kanadierin einen Bessie Award in New York. Erst jüngst wurde sie von der französischen Tanzkritikervereinigung zur "Tanzpersönlichkeit der Saison 2010/2011" erhoben.

Im Jahr 2006 gründete Lecavalier ihre eigene Compagnie Fou glorieux, eine flexible Produktionsplattform, mit der sie nun auch ihr jüngstes, im Vorjahr uraufgeführtes Solo erarbeitete: So Blue. Darin bleibt sie ihrem akrobatisch-auspowernden Stil treu. In einer "High-Motion-Choreografie", die sich in schnellen, schnittigen Bewegungen gegen die Schwerkraft stemmt, geht sie im Trainingsanzug an ihre körperlichen Limits. Die an trancehafte Clubmusik erinnernden Elektrobeats von Musiker Mercan Dede geben dabei den Rhythmus vor.

Musik spielt auch im neuen Stück von Grace Ellen Barkey bzw. der Needcompany eine große Rolle. Keine Geringeren als die US-Avantgarde-Rocker The Residents, die erst jüngst im Jänner das Burgtheater beehrten, haben für Mush-Room eigens komponiert.

Ähnlich mysteriös, wie die US-Musiker es zeit ihres vierzigjährigen Bestehens geschafft haben, anonym zu bleiben, ist auch dieser Schwammerl-Aufmarsch der Needcompany-Frontfrau Barkey.

Eine "Paketbombe" verspricht der Abend zu werden, vor der man aber trotz des knalligen Inhalts keine Angst zu haben brauche. Es geht um Bewusstseinserweiterung mit politischem Anspruch. Auch Unterhaltung wird darin großgeschrieben.

Wer also diesen Sommer noch keine Parasole oder Steinpilze gefunden hat, hier wird er trefflich bedient. Sie kommen wie im Schlaraffenland an Fäden vom Schnürboden herabgefahren. (Margarete Affenzeller, Spezial, DER STANDARD, 1.8.2013)

  • "Mush-Room", Akademietheater, 2. 8., 21.00 und 4. 8., 19.00
  • "So Blue", Akademietheater, am 6., 8. und (Zusatz) 9. 8., 21.00

Dieser Artikel entstand mit finanzieller Unterstützung von ImPulsTanz. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim STANDARD.

  • Eine wahre "High-Motion-Choreografie" ist Louise Lecavaliers Duett mit dem Tänzer Frédéric Tavernini "So Blue".
    foto: photo: andr

    Eine wahre "High-Motion-Choreografie" ist Louise Lecavaliers Duett mit dem Tänzer Frédéric Tavernini "So Blue".

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