"Simbabwes Wikileaks" will Mugabe stürzen

31. Juli 2013, 12:34
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In einem anonymen Facebook-Blog namens "Baba Jukwa" wird das Regime des greisen Präsidenten heftig kritisiert - Immer mehr Fans folgen ihm

309.000 Fans hat Baba Jukwa auf seinem Facebook-Blog bereits gesammelt. In seiner Heimat Simbabwe, wo heute ein neuer Präsident gewählt wird, ist der Mann – oder die Frau – hinter dem Kunstbegriff ein veritabler Internetstar, der seine Identität bis heute geheim hält. Ein "besorgter Vater" sei er, der Vetternwirtschaft bekämpfe und der Bevölkerung als Sprachrohr gegenüber der Regierung dienen wolle, schreibt Baba Juwka. Und: er stamme aus dem direkten Umfeld von Präsident Robert Mugabe (89), aus dem Herzen der Macht, die sich Mugabes nationalistische ZANU-PF-Partei formal mit dem Movement for Democratic Change (MDC) von Mugabes Kontrahenten Morgan Tsvangirai teilt. 

Baba Jukwa macht keinen Hehl daraus, dass er die Ära des früheren Freiheitskämpfers Mugabe zu beenden trachtet. "Wählt Tsvangirai" war in großen Lettern auf der Facebook-Seite zu lesen, Konkurrenten aus den Reihen der ZANU-PF werden schon einmal mit derben Flüchen als "Mörder" oder "Vergewaltiger" bezeichnet. Neben lautstarker Agitation zu Gunsten der Mugabe-Gegner hat sich Baba Juwka aber auch einen Namen als anonymer Aufdecker außerhalb der von Mugabe und seinen Geheimdiensten kontrollierten Medienlandschaft gemacht.

Mit Whistleblowern verbündet

"Simbabwes Wikileaks" nennen ihn deshalb manche, tatsächlich kooperiert der Blogger mit dem internationalen Whistleblower-Netzwerk. "Mugabe ist kein Mann mehr, sondern er wird von der Armee manipuliert", ließ er in einem Interview mit Wikileaks-Forum wissen. Unlängst zog er sich außerdem den Ärger der Behörden zu, weil er Probleme bei der vorzeitigen Stimmabgabe bei mehr als 60.000 Staatsbeamten öffentlich gemacht hat – lange bevor die Regierung dies eingestand.

Das simbabwische Regimes reagiert nervös auf die neue mediale Konkurrenz. "Baba Juwka ist komplette Zeitverschwendung, komplett idiotisch", sagte jüngst ein ZANU-PF-Minister. Während Mugabe öffentliche Proteste seit Jahren niederschlagen lässt, entwindet sich der Blogger bislang jedem staatlichen Zugriff. Unregelmäßigkeiten bei der Wahl könnten so anders als bisher unmittelbar ihren Niederschlag in der Berichterstattung in Simbabwe finden. (red, derStandard.at, 31.7.2013)

  • Immer mehr Simbabwer verfügen über Zugang zum Internet.
    foto: (ap photo/tsvangirayi mukwzh

    Immer mehr Simbabwer verfügen über Zugang zum Internet.

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