Divergierende Umfragen über schwarz-gelbe Mehrheit

31. Juli 2013, 08:53
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Laut Forsa CDU/CSU/FDP drei Prozentpunkte vor SPD/Grüne/Linke - Emnid dagegen sieht Rot-Rot-Grün knapp um einen Prozentpunkt vor Schwarz-Gelb

Knapp zwei Monate vor der deutschen Bundestagswahl sind die Umfragen über eine mögliche schwarz-gelbe Mehrheit vor einer Allianz aus den drei Oppositionsparteien SPD, Grüne und Linke widersprüchlich. Während das Meinungsforschungsinstitut Emnid den Vorsprung von CDU und FDP mit gemeinsam nur mehr 45 Prozent gegenüber 46 Prozent von Rot-Rot-Grün verspielt sieht, kommt das Institut Forsa zum gegenteiligen Ergebnis. Demnach kann Schwarz-Gelb mit 46 Prozent rechnen, während für SPD, Grüne und Linke nur 43 Prozent prophezeit werden.

In der am Mittwoch vom Magazin „Stern" und dem TV-Sender RTL präsentierten Forsa-Umfrage entfallen auf CDU/CSU unverändert 41 Prozent, die FDP kann mit fünf Prozent hoffen. Wie in den Wochen zuvor lagen sie damit bei 46 Prozent. Die SPD wird gegenüber der Vorwoche unverändert mit 22 Prozent ausgewiesen, die Grünen erhalten mit 13 Prozent einen Punkt mehr, während die Linken mit acht Prozent einen Punkt verloren. Zusammen sind das 43 Prozent. Die Piraten büßten einen Punkt auf drei Prozent ein. Für sonstige Parteien ergaben sich acht Prozent (plus eins).

Emnid-Umfrage

Die Emnid-Umfrage dagegen gibt der Union unverändert 40 Prozent, die FDP wird mit fünf Prozent ausgewiesen (ein Prozentpunkt weniger als vor einer Woche). Damit kommt Schwarz-Gelb eben auf 45 Prozent. Für die SPD weist Emnid aber unverändert 25 Prozent aus, für die Grünen ebenfalls unverändert 13 Prozent und für die Linksparteien acht Prozent. Damit liegt Rot-Rot-Grün mit 46 Prozent um einen Prozentpunkt vor CDU/CSU/FDP.
Das Institut INSA wiederum ortet das größte Wachstumspotenzial bis zur Bundestagswahl am 22. September bei der SPD. Demnach könnten die Sozialdemokraten 32 Prozent der Stimmen erhalten, vorausgesetzt, sie schöpfen ihr Potenzial maximal aus. Vor zwei Wochen hatte INSA für die SPD noch 30 Prozent an Wählerpotenzial errechnet.

Forsa-Umfrage

Forsa wiederum ortet einen leichten Ansehensverlust für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Könnten die Deutschen ihren Regierungschef direkt wählen, würden sich 54 Prozent von ihnen für Merkel entscheiden, drei Punkte weniger als in der Vorwoche. 20 Prozent würden lieber ihren Herausforderer Peer Steinbrück (SPD) als Kanzler sehen, allerdings ist dies auch ein Minus, wenn auch von nur einem Punkt.
Die fallenden Werte für Merkel führte Forsa-Chef Manfred Güllner auf das überwiegend negative Medienecho nach ihrer letzten Pressekonferenz vor der Sommerpause zurück, in der es vor allem um ihr Nichtwissen in der NSA-Abhöraffäre ging. Dem Magazin „Stern" sagte Güllner, dass aber weiter 93 Prozent der Unionswähler hinter der Kanzlerin stünden. Auf den Wert der Union habe die Merkel-Delle daher keine Auswirkungen. „Generell flaut das Interesse an dem Spionageskandal ab", sagte der Meinungsforscher.

Der Münchner Kommunikationswissenschaftler Carsten Reinemann sieht deutlich mehr Bewegung in der Wählerschaft als von den Trendumfragen suggeriert werde. Reinemann hatte bereits bei der letzten Bundestagswahl 2009 das Verhalten einer repräsentativen Gruppe von Wählern in Berlin untersucht. Dabei hatten 36 Prozent der Befragten am Ende eine andere Partei als die gewählt, für die sie vier Wochen zuvor noch stimmen wollten.

Mit Spannung wird auch das Fernsehduell zwischen Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück am 1. September erwartet. Medienforscher Reinemann dämpft allerdings die Erwartungen. Es könnte zwar eine höhere Einschaltquote als vor vier Jahren geben, weil sich die Zuschauer von Steinbrück einen größeren Unterhaltswert erhofften. Allerdings sei das Wirkungspotenzial des Duells geschwächt, weil es drei Wochen vor der Wahl stattfinde. Es sei schwierig, ein Momentum, wenn es aus so einem Duell entstehe, über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten.
(APA, 31.7.2013)

 

  • Kanzlerin Merkel muss um ihre Mehrheit kämpfen.
    foto: foto: joerg sarbach/dpa +++(c) dpa - bildfunk+++

    Kanzlerin Merkel muss um ihre Mehrheit kämpfen.

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