Siemens-Chef scheidet doch im Einvernehmen

31. Juli 2013, 18:25
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Der scheidende Siemens-Chef Löscher klagt über mangelndes Vertrauen, ihm folgt der Finanzvorstand Kaeser nach

Glatter als zunächst angenommen ist am Mittwoch der Führungswechsel beim deutschen Elektronikkonzern Siemens über die Bühne gegangen. Der Österreicher Peter Löscher stimmte einer einvernehmlichen Auflösung seines eigentlich noch bis Sommer 2017 gültigen Vertrages zu und ersparte damit dem gespaltenen Aufsichtsrat eine Abstimmung.

Für Löscher, der bis zuletzt um seinen Posten gekämpft hatte, ist der Abgang bitter. Finanziell jedoch fällt er weich: Siemens lässt sich die Trennung zwischen 15 und 17 Millionen Euro kosten.

Dennoch sparte Löscher zum Abschied nicht mit kritischen Worten. Zwar bedankte er sich bei der Familie Siemens und jenen Mitgliedern des Aufsichtsrats und Mitarbeitern, die ihn "gerade auch in den vergangenen Monaten ausdrücklich unterstützt haben" und sich seinen Verbleib an der Spitze "gewünscht" hätten.

Basis

Doch er monierte auch, dass "eine vertrauensvolle Basis für einen Verbleib an der Spitze der Siemens AG nicht mehr gegeben" sei, da ein "Höchstmaß an Geschlossenheit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat" fehle. Namen nannte Löscher nicht, doch jeder weiß, wen er meint: Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme, der seine vorzeitige Ablösung betrieben hatte.

Cromme steht mittlerweile selbst unter Druck. Er schaffte es aber, alle Aufsichtsräte auf den Nachfolger einzuschwören, sodass der neue Siemens-Chef Joe Kaeser am Mittwoch einstimmig gewählt wurde. Kaeser, der seit 30 Jahren bei Siemens tätig ist, war bisher Finanzvorstand.

Der erklärte, dass Siemens kein Sanierungsfall sei. Er räumte aber ein: "Wir haben uns zuletzt zu viel mit uns selbst beschäftigt und etwas die Ertragsdynamik gegenüber dem Wettbewerb verloren. Mein erklärtes Ziel ist es, Siemens in ein ruhiges Fahrwasser zurückzuführen und ein Hochleistungsteam zu formen." Im Herbst werde das "Team Siemens" eine überarbeitete Version des Renditeprogramms vorstellen und eine Vision für den Konzern entwerfen. "Siemens wird es auch nach 2014 geben", sagte Kaeser.

Löscher war unter Druck geraten, weil Finanzvorstand Kaeser nach einer Serie von Fehlschlägen vor einer Woche überraschend und ohne weitere Begründung das für 2014 angepeilte Renditeziel von zwölf Prozent kassiert hatte. Auch Kaesers Amtszeit als Chef beginnt mit einem Minus. Im dritten Quartal ist der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft im Vergleich zu 2012 um 13 Prozent auf eine Milliarde Euro geschrumpft. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, 1.8.2013)

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    Joe Kaeser bedankt sich. Er ist neuer Siemens-Chef.

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    Hoffentlich hat Ex-Siemens-Chef Peter Löscher bald wieder etwas zu lachen.

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