Bradley Manning verurteilt: "Verrat" an den USA

31. Juli 2013, 08:21
47 Postings

Manning drohen über hundert Jahre Haft - Aber keine "Feindesunterstützung"

Bradley Manning war nur ein einfacher US-Obergefreiter, nun drohen ihm mehr als hundert Jahre Gefängnis. Während seines Einsatzes im Irak hatte er zwischen November 2009 und Mai 2010 700.000 Geheimdokumente von Militärrechnern heruntergeladen und der Enthüllungsplattform Wikileaks zugespielt. Für seine Unterstützer wurde er zum Helden, für die US-Regierung ist er ein Verräter. Die US-Militärjustiz gab ihm jetzt die Quittung und sprach ihn in 20 von 22 Anklagepunkten für schuldig.

Keine Feindesunterstützung

Militärrichterin Denise Lind wird ab Mittwoch über das Strafmaß entscheiden. Der einzige Lichtblick für den 25-jährigen Manning: Den schwersten Vorwurf der Unterstützung von Feinden wie dem Terrornetzwerk Al-Kaida ließ sie fallen. Dieser alleine hätte schon lebenslängliche Haft bedeuten können.

Debatte auslösen

Im Verfahren hatte der Spezialist für nachrichtendienstliche Analyse die Weitergabe der Geheimdokumente eingeräumt. Diese stünden für "die unsichtbare Realität der Konflikte im Irak und in Afghanistan", sagte er. Er habe geglaubt, eine Debatte über "Außenpolitik und den Krieg allgemein" auslösen zu können.

Enthüllungen

Um die Welt gingen die Video-Aufzeichnung von Angriffen mit zwei Apache-Helikoptern auf eine Gruppe von Irakern in Bagdad, die Manning aus den Militärrechnern herunter lud. Dabei wurden zwölf Männer getötet und zwei Kinder verletzt. Aber es geht auch um Enthüllungen darüber, dass 150 Häftlinge grundlos in Guantanamo festgehalten wurden.

Mannings Weg nachgezeichnet

Eines der bekanntesten Fotos Mannings zeigt ihn lächelnd in einer grünen Ausgehuniform, das Barett in sein Gesicht gezogen. Die US-Medien haben versucht, Mannings Weg aus der Provinz im Mittleren Westen in die Zelle eines Militärgefängnisses nachzuzeichnen. Sie erzählen die Geschichte eines Außenseiters, der als Computerfreak in der Schule und als Homosexueller in der Armee Zurückweisung erfahren habe.

Job bei der Armee

Einen Teil seiner Kindheit verbrachte Manning im Tausend-Seelen-Dorf Crescent im Bundesstaat Oklahoma, nach der Scheidung seiner Eltern zog er mit seiner aus Wales stammenden Mutter nach Großbritannien. Nach schwierigen Schuljahren schickte diese ihn zurück in die USA. Als der Vater von der Homosexualität seines Sohns erfuhr, warf er ihn der "New York Times" zufolge aus dem Haus. Nach einer kurzen Beschäftigung bei einer Softwarefirma und Minijobs im Einzelhandel landete er 2007 schließlich bei der Armee.

Hacker verrät Manning

Die US-Streitkräfte verlangten bis vor Kurzem, dass Soldaten ihre homosexuelle Orientierung geheim halten. "Ich bin schon lange isoliert", schrieb Manning dem Hacker Adrian Lamo, der ihn später verraten sollte. Bei den Voranhörungen in Fort Meade stellte Manning heraus, wie wichtig es ihm sei, "die Wahrheit herauszufinden".

Wahrheit ans Licht bringen

In den Protokollen des Internetchats, die Lamo den US-Behörden übergab, scheint Manning zu beschreiben, wie er Geheimdaten an Wikileaks-Gründer Julian Assange weiterleitete. Dem "verrückten weißhaarigen Australier" habe er die Dokumente zugespielt, damit die "Wahrheit" ans Licht komme.

Whistleblower

Mannings Anwalt David Coombs hatte in seinem Schlussplädoyer zurückgewiesen, Manning sei ein Verräter an seiner Heimat USA. Er sei "jung, naiv und von guten Absichten geleitet" gewesen, sagte der Verteidiger. Ankläger Ashden Fein hielt dagegen: Manning sei kein harmloser "Whistleblower" gewesen, der Missstände aufdecken wollte, sondern ein "Verräter" mit "dem Willen, den USA zu schaden".

Vorwurf der Einschüchterung

Wikileaks verurteilte den vielfachen Schuldspruch von Manning sogleich als "gefährlichen, nationalen Sicherheitsextremismus der Regierung" von Präsident Barack Obama. Und die US-Bürgerrechtsorganisation ACLU urteilte: "Es scheint klar, dass die Regierung versucht, jeden einzuschüchtern, der daran denkt, in Zukunft wertvolle Informationen zu veröffentlichen." (APA, 31.7.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bürgerrechtsorganisationen sehen in dem Urteil einen Einschüchterungsversuch der Regierung

Share if you care.