Daten der Blackbox: Lokführer telefonierte bei Zugunglück in Spanien

30. Juli 2013, 19:50
294 Postings

Der Fahrer hätte die Geschwindigkeit vor der Kurve früher reduzieren müssen. Der Zug wurde automatisch auf 153 km/h gedrosselt

Madrid - Der Lokführer des vergangene Woche in Nordspanien entgleisten Zuges hat zum Zeitpunkt des Unglücks mit der staatlichen Bahngesellschaft Renfe telefoniert. Das habe die Auswertung des Fahrtenschreibers des Hochgeschwindigkeitszuges ergeben, teilte ein Gericht am Dienstag mit. Bei dem Unglück in Galicien kamen 79 Menschen ums Leben.

Die Daten der Blackbox deuten darauf hin, dass der 52-jährige Lokführer mit einem Angestellten der Bahngesellschaft, womöglich einem Kontrolleur, telefonierte. Zugleich habe er offenbar einen Plan oder ein anderes Dokument gelesen, teilte das Gericht weiter mit.

Zug auf 153 km/h gedrosselt

Nach ersten Ermittlungsergebnissen fuhr der Zug eine Minute vor dem Unglück mit einer Geschwindigkeit von 192 Kilometern pro Stunde. Erlaubt sind dort nur 80 Stundenkilometer. Zum Zeitpunkt, als der Zug in einer Kurve am Stadtrand von Santiago de Compostela entgleiste, wurde die Geschwindigkeit durch eine ausgelöste Bremse auf 153 km/h gedrosselt.

Offenbar hatte der Lokführer den Zug nicht rechtzeitig abgebremst. Auf der geraden Strecke davor war Tempo 220 erlaubt. Die Zeitung "El Mundo" schrieb am Dienstag, es sei "erstaunlich", dass es dem Fahrer selbst überlassen bleibe, wann genau er den Zug abbremst, um die Kurve zu schaffen. Der 52-Jährige wurde nach einer Vernehmung am Sonntagabend unter Auflagen freigelassen, doch wurde gegen ihn ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung in 79 Fällen eingeleitet.

Lokführer kannte Strecke seit einem Jahr

Die Ermittlungen der Unfallursache konzentrierten sich auf die Frage, warum der Hochgeschwindigkeitszug Avia ungebremst in eine enge Kurve zuraste und entgleiste. Der Fahrer des Unglückszuges ist seit 30 Jahren bei Renfe beschäftigt und verfügt über eine zehnjährige Erfahrung als Lokführer. Die Strecke von Madrid nach Santiago de Compostela befuhr er seit einem Jahr. (APA/Reuters, 30.7.2013)

  • Am Sonntag war die Lokomotive vom Unglücksort in Santiago de Compostela weggebracht worden.
    foto: epa/sxenick

    Am Sonntag war die Lokomotive vom Unglücksort in Santiago de Compostela weggebracht worden.

Share if you care.