Wahl in Simbabwe: Die Angst vor einem Déjà-vu der Gewalt

31. Juli 2013, 08:29
10 Postings

Seit 33 Jahren regiert Robert Mugabe in Simbabwe - heute stellt er sich erneut der Wahl. Herausforderer ist sein Erzrivale Morgan Tsvangirai. Die Angst vor neuen Gewaltexzessen ist groß

Sein Amtsverständnis brachte Robert Mugabe vor einigen Jahren in einem kurzen Satz auf den Punkt: "Ich werde dieses Amt nie aufgeben, nur Gott kann mich abberufen." Das war 2008, als der tiefreligiöse Langzeit-Herrscher von Simbabwe in einer blutigen Wahlschlacht eine Niederlage gegen Oppositionsführer Morgan Tsvangirai abzuwehren versuchte - was ihm auch gelang. Am heutigen Mittwoch sind die Menschen in dem knapp 13-Millionen-Staat erneut dazu aufgerufen, einen Präsidenten und ein Parlament zu wählen. Nicht wenige befürchten eine Neuauflage der Gewalt.

Mit gutem Grund: Wieder sind es Mugabe, inzwischen 89 Jahre, mit seiner Partei Zanu-PF und Tsvangirai (MDC-T), welche die Wahl unter sich ausmachen dürften - drei andere Kandidaten gelten als chancenlos. Dass die beiden nach dem Gewaltexzess 2008 in eine Koalition gezwungen wurden und dann als Präsident und Premier zumindest formal gemeinsam regiert haben, hat ihre Feindschaft nicht verringert.

Kampfparolen

Mugabe hat die Wahl zu einer Überlebensfrage erklärt. "Das ist der Kampf unseres Lebens." Tsvangirai hat seinen Anhängern geschworen, sich nicht noch einmal um den Sieg bringen zu lassen: "Dieses Mal werden wir ihnen nicht erlauben, den Willen des Volkes zu untergraben. Wir werden nicht zulassen, dass uns unser Sieg am helllichten Tag geraubt wird." Befragungen des US-Thinktank Freedom House und der Forschergruppe Afro-Barometer ergaben vergangene Woche ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Kandidaten mit möglicher Stichwahl.

Sowohl Mugabe als auch Tsvangirai haben zu einer friedlichen Wahl aufgerufen, und bisher hat es keine großen Zwischenfälle gegeben, abgesehen von vereinzelten Übergriffen auf Oppositionsanhänger. Doch schon im Vorfeld soll es so viele Unregelmäßigkeiten, etwa bei der Wählerregistrierung, gegeben haben, dass auch unabhängige Beobachter Manipulationen befürchten. Eine chaotisch abgelaufene Vorwahl für Angehörige der Sicherheitskräfte bestätigte zudem die Ängste, dass die Zentrale Wahlkommission, kurz Zec, nicht in der Lage sein könnte, die Wahl zu organisieren.

Nicht nur vonseiten der Opposition, auch im Ausland hat es daher Kritik an dem frühen Wahltermin gegeben, darunter von der südafrikanischen Staatengemeinschaft SADC. Die Äußerungen der obersten Simbabwe-Beauftragten von Südafrikas Präsident Jacob Zuma, Lindiwe Zulu, wonach die Wahlvorbereitung im Nachbarland "nicht gut" aussehe und der Termin daher um einige Wochen verschoben werden solle, hatte Mugabe zutiefst verärgert.

Am Dienstag wurden schwer bewaffnete Einsatzpolizisten vornehmlich in jene Gegenden der Städte geschickt, die als Oppositionshochburgen gelten und in denen es 2008 die größten Unruhen gegeben hatte. In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz stellte sich Mugabe am Nachmittag den Journalisten. Ob er zurücktreten werde, wenn er verliere? "Das werden wir tun, ja." (Julia Raabe, DER STANDARD, 31.7.2013)

  • Anhänger von Simbabwes Präsident Robert Mugabe. Der 89-Jährige hat versichert zurückzutreten, falls er die Wahlen verlieren sollte.
    foto: reuters

    Anhänger von Simbabwes Präsident Robert Mugabe. Der 89-Jährige hat versichert zurückzutreten, falls er die Wahlen verlieren sollte.

  • Unterstützer von Morgan Tsvangirai. Der Oppositionsführer hat ihnen mit Bezug auf 2008 versprochen, sich nicht noch einmal "den Sieg rauben zu lassen".
    ap

    Unterstützer von Morgan Tsvangirai. Der Oppositionsführer hat ihnen mit Bezug auf 2008 versprochen, sich nicht noch einmal "den Sieg rauben zu lassen".

  • Artikelbild
    grafik: der standard
Share if you care.