Erholung droht zu versanden

31. Juli 2013, 05:30
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Investoren fürchten erneutes Chaos nach den Wahlen

Betrachtet man die jährlichen Wachstumsraten von zuletzt knapp sechs Prozent, müsste sich Simbabwe auf dem Weg wirtschaftlicher Gesundung befinden. Tatsächlich aber sind die massiven Probleme der 2000er-Jahre noch lange nicht bewältigt.

Ende Jänner wurde Finanzminister Tendai Biti mit den Worten zitiert, das Land habe zum Monatsende nur noch 217 US-Dollar in den Staatskassen gehabt. Für die Finanzierung der Wahl, so sagte er jüngst Al-Jazeera, habe man alle Ausgaben einfrieren müssen.

Es ist ein Budgetproblem, das auch große Erfolge an anderer Stelle zeigt, nämlich beim Kampf gegen die Inflation. 2009 hatte das Land den Simbabwe-Dollar zugunsten des US-Dollar aufgegeben, nachdem die Landeswährung im November 2008 eine monatliche Inflationsrate von 79 Milliarden Prozent erreicht hatte.

Nervöse Investoren

Zwischen 2009 und 2011 wuchs die Wirtschaft um 20 Prozent, die Läden, so heißt es, sind wieder voll, Stromausfälle seltener geworden. Dass das BIP im Jahrzehnt davor um sechs Prozent pro Jahr geschrumpft ist, hat aber tiefe Spuren hinterlassen: 72 Prozent leben unter der Armutsgrenze, die Arbeitslosigkeit wird auf rund 70 Prozent geschätzt. Der Argarsektor des Landes wächst wieder, Simbabwe ist aber weiter von Importen abhängig. Investoren sind wegen der Unsicherheit nervös.

Laut dem Indigenisierungsgesetz von 2008 müssen schwarze Simbabwer mindestens 51 Prozent aller Unternehmen im Land besitzen. Die konkrete Umsetzung dieser Bestimmung - die, ohne Enteignungen, die Käufer in massive Schulden stürzen würde - ist aber noch unklar. Befürchtungen, das Gesetz könnte die Korruption befeuern, sind groß. Zuletzt sind die Investitionen aus dem Ausland deutlich gesunken. Die BIP-Wachstumsprognose 2013 wurde im Vorfeld der Wahl von fünf auf 3,4 Prozent nach unten korrigiert.

Viele Investoren, so heißt es, fürchten ein knappes Wahlergebnis: Einen weiteren "Sommer des Chaos" wie 2008 könne sich das Land keinesfalls leisten. (mesc, DER STANDARD, 31.7.2013)

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