Muslim-Liga stellt neuen Präsidenten Pakistans

30. Juli 2013, 18:36
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Geschäftsmann Mamnoon Hussain wird neues Staatsoberhaupt in Pakistan

Islamabad/Neu-Delhi - Sein Sieg galt von Anfang an als sicher, und auch die Blumenkränze lagen schon bereit. Der 73-jährige Geschäftsmann Mamnoon Hussain ist am Dienstag zum neuen Präsidenten der Atommacht Pakistan gewählt worden. Der Politiker der regierenden Muslim-Liga erhielt die Mehrheit der Stimmen von Parlament und Provinzvertretungen. Er gilt als enger Vertrauter von Regierungschef Nawaz Sharif.

Hussain wird damit den Bhutto-Witwer Asif Ali Zardari von der PPP ablösen, dessen Amtszeit am 9. September endet. Seine Wahl vollendet den ersten demokratischen Wechsel in der 66-jährigen Geschichte des Landes, das jahrelang vom Militär regiert wurde: Schon bei den Parlamentswahlen im Mai hatte die Muslim-Liga von Sharif die PPP geschlagen.

Seit einer Verfassungsänderung hat der Staatschef in Pakistan vor allem repräsentative Aufgaben; die Macht liegt bei Regierungschef Sharif. Die größte Oppositionspartei PPP hatte die Wahlen boykottiert, weil das Oberste Gericht sie wegen des Ramadan um eine Woche vorgezogen hatte. Dies dürfte allerdings wenig am Ergebnis geändert haben. Hussains einziger Konkurrent war Exrichter Wajihuddin Ahmed, den die drittgrößte Partei des Landes, die PTI des früheren Cricket-Stars Imran Khan, aufgestellt hat, dem aber kaum Chancen eingeräumt wurden.

Unterdessen forderte die pakistanische Staatsanwaltschaft die Todesstrafe für den früheren Militärmachthaber Pervez Musharraf. Ihm soll ab nächster Woche der Prozess wegen Verschwörung zum Mord an Expremierministerin Benazir Bhutto gemacht werden.

Sturm auf Gefängnis

Derweil befreiten schwerbewaffnete Taliban-Kämpfer bei einer spektakulären Erstürmung eines Gefängnisses mehr als 250 Gefangene. Zwölf Menschen, davon sechs Polizisten, kamen dabei ums Leben. Laut Augenzeugen begann die Attacke am Montag gegen Mitternacht mit einer Reihe von Explosionen. Mehr als 100 als Polizisten verkleidete Kämpfer sollen zunächst die Stromleitungen gekappt und dann das Gefängnis mit Raketenwerfern und Maschinengewehren beschossen haben.

Die Aktion ist ein schwerer Rückschlag für Pakistans Antiterrorbemühungen. Bereits im April 2012 hatte es eine ähnliche Aktion gegeben. Damals hatten die Taliban hunderte Gefangene aus einem Gefängnis im Bezirk Bannu befreit. (Christine Möllhoff, DER STANDARD, 31.7.2013)

  • Mamnoon Hussain konnte sich schon während des Wahlkampfes seiner Sache sicher sein.
    epa

    Mamnoon Hussain konnte sich schon während des Wahlkampfes seiner Sache sicher sein.

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