Salzburgs programmierter Verkehrskollaps

30. Juli 2013, 17:36
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Nach der Festspielzeit soll um 410.000 Euro wieder einmal ein neues Straßenkonzept umgesetzt werden

Salzburg - Die Rezeptur ist jedes Jahr dieselbe: Urlaubszeit und Regenwetter ergibt in der Stadt Salzburg ein Verkehrschaos. Tausende Touristen verlassen bei Schlechtwetter die Badeseen, um sich einen Tag in der Stadt zu gönnen. Und alle kommen mit dem eigenen Pkw.

Am Dienstag war es diesen Sommer das erste Mal so weit: Um der Autolawine Herr zu werden, wurden Touristenautos wieder zwangsweise auf Parkplätze am Stadtrand abgeleitet. Die Folge: kilometerlange Staus bis an die deutsche Grenze, aber trotzdem volle Garagen und ein Tohuwabohu in der Innenstadt.

"Mittagsregelung" heuer nicht wiederholt

Ein Ende der Misere ist nicht in Sicht. 2012 probierte es die von der Bürgerliste geführte Stadtplanung mit einem zeitlich beschränkten Fahrverbot in der Altstadt. Vor allem auf Druck der ÖVP wurde diese "Mittagsregelung" heuer nicht wiederholt. Jetzt versucht das ÖVP-geführte Bauressort sein Glück.

Am Dienstag - zufällig zeitgleich zur ersten Schlechtwettersperre - beschlossen SPÖ und ÖVP im Bauausschuss ein neues Verkehrskonzept für die Innenstadt. Dieses sieht vor, den Franz-Josef-Kai ab dem Hanuschplatz im Gegenverkehr zu führen und die Grießgasse als Flaniermeile für den Autoverkehr zu sperren. Der erste Teil der Bauarbeiten soll nach den Salzburger Festspielen beginnen, bis Oktober dauern und 410.000 Euro kosten. Mit der Umgestaltung der Griesgasse werde erst 2015 begonnen. Die budgetierten Gesamtkosten liegen bei 2,54 Millionen Euro.

Hochleistungsring

Die Bürgerliste sieht mit der Regelung das "Verkehrschaos programmiert". Der Durchzugsverkehr werde kaum reduziert, Verkehrsexperten hätten im Vorfeld schon vor Stau am Kai gewarnt.

Die ressortzuständige Baustadträtin Claudia Schmidt (ÖVP) hat freilich noch ganz andere Pläne: Sie will rund um die Stadtberge einen "Hochleistungsring für Autos". Ein Ansinnen, mit dem sie politisch ziemlich allein bleiben dürfte. (Thomas Neuhold Stefanie Ruep, DER STANDARD, 31.7.2013)

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