Bruni ließ sich 410.000-Euro-Website aus Steuern bezahlen

31. Juli 2013, 00:38
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Carla Bruni und Valérie Trierweiler haben etwas gemeinsam: Die frühere und die aktuelle First Lady im Elysée suchen missliebige Enthüllungen gerichtlich zu verhindern, selbst wenn diese offiziell bestätigt sind

Während der Amtszeit von Nicolas Sarkozy als französischer Staatspräsident erhielt seine Gattin Carla Bruni für ihre Internetauftritte, darunter mit ihrer gemeinnützigen Privatstiftung, 410.000 Euro aus Steuergeldern.

Auch wenn das ehemalige Präsidentenpaar nicht mehr in Amt und Würden ist, widmen die Pariser Medien der Affäre doch ein paar Schlagzeilen. Ein Informatiker namens Nicolas Bousquet lancierte im Internet zudem eine Petition, die Carla Brunis Stiftung auffordert, den Betrag einem guten Zweck zu überweisen. Binnen kürzester Zeit signierten sie mehr als 75.000 Menschen.

"Zu einer Zeit, da man ständig vom Sparen spricht, finde ich diese Art von Praktiken skandalös", meint Bousquet, der sich als an sich unpolitisch bezeichnet. Die Kosten der Stiftungs-Homepage beziffert er auf maximal 10.000, keinesfalls aber auf 410.000 Euro.

Die ehemalige First Lady reagierte allerdings anders als gewünscht: Sie droht über ihren Anwalt mit Rechtsschritten, wenn jemand mit unrichtigen Behauptungen in dieser Affäre ihre "Ehre" beeinträchtige. Die Stiftung teilte mit, dass "alle sichtbaren Inhalte" der Website carlabrunisarkozy.org selbst finanziert seien. Die nicht sichtbaren Inhalte und die übrigen Kosten einer solchen Webseite bleiben unerwähnt.

Quelle ist Rechnungshof

Umso deutlicher schimpft die Bruni-Stiftung über die Medien, die lieber andere beleidigten, als Informationen zu überprüfen. Diese stammen indes aus behördlicher Quelle: Die Staatsfinanzierung Brunis mit 410.000 Euro hatte der angesehene Rechnungshof in Paris publikgemacht. Für Goodwill sorgt der Vorfall nicht gerade, während Sarkozy ein politisches Comeback anstrebt.

Einziger Trost für Bruni: Ihrer Nachfolgerin im Elysée machen es die Journalisten auch nicht leichter. Valérie Trierweiler, Lebenspartnerin des sozialistischen Präsidenten François Hollande, wurde Gegenstand einer faktenreichen Biografie namens La Frondeuse (Die Aufmüpfige). Darin berichten die beiden Autoren, zwei bekannte Journalisten, Trierweiler habe früher ein Verhältnis mit einem bürgerlichen Minister gehabt, als sie selbst noch Redakteurin bei der Illustrierten Paris-Match gewesen sei.

Die First Lady klagte sofort gegen die Verfasser des Buches, frühere Berufskollegen von ihr. In dem Prozess erhielt sie wegen "Verletzung der Privatsphäre" recht, den Tatbestand der "Verleumdung" ließ sie hingegen fallen. Trierweiler wird auch immer wieder angegriffen, weil sie als erste Partnerin eines Präsidenten unverheiratet ist. Der bürgerliche Abgeordnete Guillaume Larrivé fragte unlängst auf parlamentarischem Weg, wie viele Beamte ei­gentlich für die aktuelle Première Dame tätig seien, die über keine offizielle Bindung zum Staatschef verfüge.

Die Regierung ließ verlauten, es seien derer fünf – für ein kumuliertes Monatseinkommen von 19.742 Euro. Das sei nur halb so viel wie die Personalausgaben der früheren First Lady, präzisierte die offizielle Regierungsstelle ungefragt.  (Stefan Brändle aus Paris/DER STANDARD, 31.7.2013)

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    Bruni wirft Grußgesten aus dem Fenster.

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